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8. Mai 2014

Internet

Nutzer von Gesundheitsportalen ändern ihr Verhalten

 
Berlin – Patienten, die im Internet nach Gesundheitsthemen recherchiert haben, gehen informierter und selbstbewusster zu einem Arzttermin. Das geht aus einer Umfrage der Forschungs- und Beratungsagentur Healthcare42 hervor, an der sich 3.160 Internet-Nutzer verschiedener Gesundheitsportale beteiligt haben.

Vorstellung der E-Patient Studie 2014 in Berlin. (© healthcare42)
Eine große Mehrheit der Befragten gibt an, nach dem Internet-Surfen ihre Krankheit besser zu verstehen (79 Prozent) und selbstbewusster Entscheidungen für oder gegen eine bestimmte Therapie zu treffen (67 Prozent). Viele finden auch Hilfen für den Alltag (63 Prozent). Dies hat Folgen für das Arzt-Patienten-Gespräch: Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer haben ihrem Arzt andere oder mehr Fragen gestellt, sie verstehen seine Empfehlungen jetzt besser und können sie besser befolgen. Gut die Hälfte erklärt, sie können nun mit ihren Medikamenten und der richtigen Einnahme besser umgehen. Je ein Drittel hat nach dem Surfen im Internet schon mal einen anderen Arzt aufgesucht oder ein Medikament bzw. eine Therapie gewechselt. Nur 19 Prozent der Internet-Nutzer meinen, die Informationen, die sie im Netz erhalten hatten, seien für sie im Alltag nicht umsetzbar gewesen. Und lediglich 14 Prozent bezeichnen die Informationen als „nicht hilfreich und eher verwirrend“.

Die Befragung
Etwa 80 Prozent aller Onliner in westlichen Industrieländern nutzen das Internet zu Gesundheitsthemen. Das entspricht in Deutschland einer Zahl von rund 40 Millionen Nutzern. In den Monaten Februar und März 2014 wurde eine anonyme und freiwillige Online-Befragung auf 17 großen Gesundheitsportalen (u.a. Netdoktor, Onmeda, Jameda) sowie den Webseiten der Krankenkassen BIG direkt und BKK vor Ort geschaltet. 3.160 Teilnehmer haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt.




Trendfaktor Bildung
Dr. Alexander Schachinger (© healthcare42)
Entgegen den Erwartungen hat das Durchschnittsalter der Teilnehmer bei relativ hohen 59 Jahren gelegen. Der Trendfaktor sei aber nicht das Alter, „sondern die Bildung“, sagt Studienautor Dr. Alexander Schachinger von Healthcare42. Denn der Akademiker-Anteil lag mit 31 Prozent überdurchschnittlich hoch. Beteiligt haben sich zu 60 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer. Die Mehrheit der Gesundheits-Surfer sind chronisch Kranke (41 Prozent), gefolgt von Surfern mit akuten, nicht-chronischen Beschwerden (22 Prozent) sowie interessierten Gesunden (20 Prozent). Besucht wurden insbesondere die Portale von bekannten Zeitschriften (43 Prozent), Krankenkassen (39 Prozent) und Kliniken (38 Prozent). Die meisten Surfer wollten „grundlegend“ etwas über ihre Erkrankung lernen (62 Prozent), Ärzte oder Krankenhäuser suchen (51 Prozent) oder Erfahrungen von Patienten erhalten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie sie selbst (40 Prozent). Ein weiteres Drittel wollte im Internet Medikamente oder Gesundheitsprodukte kaufen. Mehr als die Hälfte der Surfer nutzte dabei zunächst Suchmaschinen wie Google. Nur sieben Prozent hatten nach eigener Auskunft Schwierigkeit einzuschätzen, was für sie wichtig ist und was nicht.

Weitere Anwendungen
Gefragt nach möglichen innovativen Anwendungen, gaben 59 Prozent an, ihnen würde ein Online-Austausch mit ähnlichen Patienten und ähnlichen Erkrankungen helfen. 51 Prozent bewerteten einen digitalen Therapiebegleiter angepasst an die individuelle Situation als hilfreich. Die Hälfte der Befragten möchte, dass Patienten Daten zu ihren Erfahrungen mit Medikamenten oder Therapien sammeln. „43 Prozent der Befragten können sich eine internetbasierte Gesundheitsakte vorstellen“, sagt Schachinger. „Das zeigt, dass in die Debatte um die elektronische Gesundheitsakte auch die Nutzer beziehungsweise die Bevölkerung einbezogen werden sollte.“

Informationen richtig einordnen
Die Diskussionsrunde bei der Vorstellung der E-Patienten Studie. (© healthcare42)
Die Studie zeige, dass Patienten sich sicherer fühlten, wenn sie sich informieren, kommentiert Corinna Schaefer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). Sie trauten sich, mehr Fragen zu stellen und nähmen aktiver an ihrer Behandlung teil. Es könne zum Gelingen der Therapie beitragen – wenn Patienten ihr Handeln auf verlässliche Informationen gründeten. Diese aber seien selten und im Netz nicht leicht zu finden. Aus ihrer Sicht gibt es einige Internetangebote, die den neuesten Stand der Wissenschaft verständlich aufbereiten. Dazu gehörten zum Beispiel die Seiten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) oder die des ÄZQ. Leider fänden die meisten Patienten diese Angebote jedoch nicht. „Surfer finden stattdessen viele Informationen, die zum Teil widersprüchlich sind“, sagt Schaefer. Deshalb sei es nicht nur notwendig, in gute Websites zu investieren, sondern auch in deren Verbreitung.

Tiefer Wandel
Für die Krankenkasse BIG direkt gesund, die die Studie unterstützt hat, zeigt die Analyse, dass Gesundheitsinformationen, -services und -versorgung durch die digitale Medienentwicklung einem tiefen Wandel unterliegen und sich alle Akteure im deutschen Gesundheitssystem den neuen Herausforderungen stellen müssen. Die Studie könne den Kassen helfen, ihre Informationsangebote stärker am Nutzen der Versicherten auszurichten, sagt Birk Bruckhoff, Marketingmanager New Media bei BIG.

Weitere Informationen zur E-Patienten Studie 2014 unter http://www.epatient-research.com.
Digitorial

Literaturtipps
Cover Michaela Haas

"Stark wie ein Phönix" Michaela Haas
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zum Beispiel: "Was kann Selbsthife?" am 05.07.2016 in Berlin
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