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13. August 2015

Forschungstransfer

Wie gelangen Therapiefortschritte zum Patienten?

 
Ohne Forschung kein Fortschritt. Denn die Heilungschancen Betroffener können nur dann weiter erhöht werden, wenn Forschungsergebnisse rasch vom Labor in den klinischen Alltag überführt werden. Dieser Transfer wird auch translationale Forschung genannt und ist mitunter ein steiniger, langer Weg.

(© Blend Images - Fotolia.com)
Ein Beispiel aus der Krebsforschung: Prof. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie der Charité, Campus Virchow-Klinikum, erläutert die beim weltweit größten Krebskongress (ASCO) vorgestellten Ergebnisse. Nach Angaben von Sehouli wurden dort rund 1.000 Studien präsentiert, die zum Teil unmittelbaren Einfluss auf die klinische Praxis haben. Die medizinischen Fachgesellschaften müssten die Studienergebnisse möglichst zeitnah diskutieren, damit den Patienten der Therapiefortschritt nicht vorenthalten werde, so der Leiter des Europäischen Kompetenzzentrums für Eierstockkrebs. Doch wie lange dauert es konkret, bis der Fortschritt bei den Betroffenen ankommt? Der Frauenarzt differenziert bei seiner Antwort: In den spezialisierten Zentren geschehe dies innerhalb eines Jahres. Skeptischer ist er dagegen bei den übrigen Krankenhäusern, „entweder in fünf Jahren oder nie“, sagt er.

Bessere Kommunikation gefragt
Ein unbefriedigender Zustand. Die Zeitspanne zwischen der Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieverfahren im Forschungslabor und der Anwendung am Krebspatienten muss verkürzt werden, verlangt daher Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, bei einem Expertengespräch im Frühjahr 2013. Dafür müssten Grundlagenforscher mit den klinischen Forschern besser in Kommunikation treten können, meint er. Auch sein Kollege Prof. Michael Baumann vermisst eine gute Verständigung zwischen Forschern und Ärzten. Das Zusammenspiel zwischen Krankenversorgung und qualifizierter Krebsforschung könne nicht länger dadurch behindert werden, dass man nicht kommunizieren könne, so der Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Ein weiteres Problem aus Baumanns Sicht: „Wir haben zu wenige Clinical Scientist, also Ärzte, die forschen und Patienten versorgen.“ Dafür gebe es zwei Gründe – diese Ärzte verdienten weniger als die in der Krankenversorgung tätigen Mediziner, und in Kliniken gebe es kaum Stellen für sie, erklärt der Mediziner bei dem Fachgespräch im Bundestag.

Bei den „Seltenen“ funktioniert es gut
Es gibt auch Beispiele, wo die translationale Forschung bereits gut aufgestellt ist, so bei den Seltenen Erkrankungen (Lesen Sie mehr dazu bei Vier Millionen leiden unter den „Seltenen“). Forschung und Versorgung laufen bei vielen dieser Erkrankungen in den Händen einiger weniger hochgradig spezialisierter Mediziner zusammen. Dies mindert Probleme der Translation, heißt es in einer Studie für das Bundesgesundheitsministerium. Die Studie „Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Menschen mit Seltenen Erkrankungen in Deutschland“ kann im Internet nachgelesen werden: http://www.bmg.bund.de


Initiativen, die Transfer beschleunigen sollen
Die Politik bemüht sich, die Rahmenbedingungen zu verbessern, damit neue Erkenntnisse schneller in die Praxis überführt werden. Ein Beispiel ist das „Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung“, das die Bundesregierung im Rahmen ihres Programms zum Aufbau Deutscher Zentren der Gesundheitsforschung initiiert hat. Das Bündnis von Bundesforschungsministerium, Deutscher Krebshilfe und Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat insbesondere das Ziel, die grundlagenorientierte mit der klinischen Krebsforschung institutionell zu verzahnen und national zu bündeln. Dafür wurden acht Partnerstandorte (Berlin, Dresden, Essen/Düsseldorf, Frankfurt/Mainz, Freiburg, Heidelberg, München, Tübingen) ausgewählt, die jeweils gemeinsam mit dem DKFZ ein Translationszentrum aufbauen. Eine weitere Möglichkeit, die Interaktion zwischen Krebsforschung und -medizin zu intensivieren, bieten sogenannte Comprehensive Cancer Center (CCC).

Wofür steht CCC?
Nach dem Vorbild amerikanischer Comprehensive Cancer Center (CCC) wurden an zahlreichen Standorten in Deutschland Einrichtungen geschaffen, die als Plattform für den Forschungstransfer aus dem Labor in die Praxis dienen sollen. Die Deutsche Krebshilfe hat 2007 ein Förderprogramm aufgelegt, um solche Spitzenzentren zu etablieren und zu unterstützen. Standorte können sich in regelmäßigen Abständen um eine Förderung bewerben. Derzeit sind 13 onkologische Spitzenzentren in das Programm integriert (Stand: August 2015). Darüber hinaus will sich die Krebshilfe dafür einsetzen, dass mittelfristig auch unterhalb der Ebene der Spitzenzentren vergleichbare Versorgungsstrukturen, beispielsweise in kommunalen Schwerpunktkrankenhäusern, aufgebaut werden.


Wer mehr wissen möchte
Weitere Angaben zum Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung unter www.bmbf.de/de/16551.php

Details zum Forschungsschwerpunkt translationale Krebsforschung, in den auch das Deutsche Krebsforschungszentrum involviert ist, unter
www.dkfz.de/de/forschung/schwerpunkte/fsp-g.php

Die Deutsche Krebshilfe hat eine Webseite zu den onkologischen Spitzenzentren (CCC) eingerichtet, sie ist unter http://www.ccc-netzwerk.de zu erreichen.
Digitorial

Literaturtipps
Cover Hans-Günter Nobis und Roman Rolke

"Schmerz – Eine Herausforderung" Hans-Günter Nobis, Roman Rolke
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Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Einfangen, auffangen und halten!" am 23.08.2016 in Kassel
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