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Umstrittene Reformvorschläge

Berlin – Der GKV-Spitzenverband hat ein Konzept zur Reform der ambulanten Psychotherapie vorgelegt. Bei der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) stößt es auf wenig Begeisterung. Für Kammerpräsident Prof. Rainer Richter sind die Vorschläge „Augenwischerei“.

Der Kassenverband weist darauf hin, dass in manchen Regionen deutlich mehr Psychotherapeuten tätig seien, als für die Versorgung der Bevölkerung benötigt werden. Gleichzeitig fehlten in anderen Regionen Therapeuten. Auch die Wahl der Therapierichtung sei oftmals von Zufällen, wie z. B. einem freien Therapieplatz, bestimmt, statt über eine fachlich begründete Auswahl, heißt es. Die Lösungsvorschläge bringt Johann-Magnus v. Stackelberg, Vorstandsvize des GKV-Spitzenverbandes, folgendermaßen auf den Punkt: „Weniger Bürokratie, orientierende Sprechstunden für die Patienten und ein Ende der Genehmigungspflicht für die Kurzzeittherapie sollen die Versorgung besser machen und die Wartezeiten verkürzen.“

Richter: Kassen wollen rationieren
Für die Bundespsychotherapeutenkammer sind die Überlegungen von Kassenseite „weit entfernt von ernsthaften Reformvorschlägen“, so Rainer Richter. Der Kammerpräsident kritisiert unter anderem den Vorschlag des GKV-Spitzenverbandes, nach zwölf Therapiestunden eine Behandlungsunterbrechung – „Reflexionsphase“ genannt – zu etablieren. Psychisch kranken Menschen werde damit eine kontinuierliche Behandlung verwehrt. „Für die Gesundung eines psychisch kranken Menschen ist es unerlässlich, kontinuierlich mit seinem Psychotherapeuten arbeiten zu können“, sagt Richter. Diesen therapeutischen Prozess einfach zu unterbrechen, sei ein Vorschlag ohne Sinn und Verstand. „Die Kassen wollen damit auf Kosten der Versicherten das therapeutische Angebot rationieren und sparen.“ Tatsächlich würden Behandlungen dadurch künstlich unterbrochen, ohne dass auch nur ein Behandlungsplatz mehr für psychisch Kranke zur Verfügung steht.