Drucken

Medikationsfehler vermeiden

Mannheim/Essen (pag) – „Mit den Erkenntnissen der VALFORTA-Studie können wir die Behandlung von alten Patienten deutlich verbessern“, sagt Prof. Dr. Martin Wehling, Studienleiter und zugleich Leiter der Arbeitsgruppe Arzneimitteltherapie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Ziel der Wissenschaftler war, die Über- und Unterversorgung mit Medikamenten jeweils deutlich zu verringern.

Dafür hat Wehling das FORTA-Prinzip entwickelt, die Grundlage der aktuellen Studie. FORTA steht für „Fit fOR The Aged“ und ist ein Vorschlag für die Bewertung positiver sowie negativer Arzneimittel. Nach diesem Prinzip wurden 2010 konkrete Arzneimittel bewertet. Nach mehreren Weiterentwicklungen misst die aktuelle FORTA-Liste nun 273 Bewertungen für 29 Indikationen. Anders als Negativ-Listen von Medikamenten, beleuchtet die FORTA-Liste auch die positiven Seiten. Um die Wirksamkeit dieser Liste zu prüfen, führten Wissenschaftler der geriatrischen Kliniken in Mannheim und Essen die VALFORTA-Studie durch, deren Ergebnisse im Januar 2016 in der geriatrischen Zeitschrift „Age & Ageing“ veröffentlicht wurden.

Zwischen 2013 bis 2014 nahmen 409 Patienten an der Studie teil. Untersucht wurden Personen ab 60 Jahren, die mindestens sechs Medikamente am Tag einnehmen mussten. Oder auch Betroffene ab 65 Jahren, die mindestens drei Arzneimittel zu sich nehmen mussten. Im Gesamtdurchschnitt waren die Patienten 81,5 Jahre alt und hatten eine Verweildauer von 17,4 Tagen. Aufgeteilt in zwei gleichgroße Gruppen wurde ein Teil der Teilnehmer von Medizinern behandelt, die zuvor eine spezielle FORTA-Schulung bekommen hatten. Die Kontrollgruppe dagegen wurde nach gängigen geriatrischen Methoden behandelt.

„Die Ergebnisse sind aus meiner Sicht phänomenal. Denn wir konnten nachweisen, dass sich nach der FORTA-Anwendung die Medikamentenversorgung gegenüber der Kontrollgruppe um das 2,7-fache verbessert hat“, sagt Wehling. Bei den Studienpatienten mit anfangs über drei nachgewiesenen Medikationsfehlern konnten diese durch Anwendung der FORTA-Regeln auf unter eins reduziert werden.

Mehr Informationen:
FORTA-Liste: http://www.umm.uni-heidelberg.de/ag/forta/
VALFORTA-Studie: http://ageing.oxfordjournals.org/content/45/2/262.long