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Barmer beklagt „Informationsdefizit“ bei der Medikation

Berlin (pag) – Fehlerhafte Medikation gefährdet Patienten. Die Barmer rückt Informationsdefizite beim Übergang zwischen ambulanter und stationärer Versorgung deshalb ins Zentrum ihres diesjährigen Arzneimittelreports – und arbeitet zeitgleich an einem Projekt, das die Übermittlung von Medikationsdaten optimieren soll.

Laut Barmer liegen Kliniken bei der Aufnahme eines Patienten häufig nicht alle nötigen Informationen zu dessen Medikation vor – dies sei gefährlich insbesondere für Polypharmaziepatienten, also jene, die mindestens fünf Arzneien parallel einnehmen. Einer Umfrage zufolge, die die Barmer unter Polypharmaziepatienten ab 65 Jahren durchgeführt hat, erhält ein Drittel dieser besonders gefährdeten Patienten im Vorfeld einer Krankenhauseinweisung vom niedergelassenen Arzt keinerlei begleitende Unterlagen für die Klinik. „Dieser Anteil ist deutlich zu hoch“, kritisiert Winfried Plötze, Landesgeschäftsführer der Barmer in Baden-Württemberg. Einen bundeseinheitlichen Medikationsplan mit QR-Code zum Einlesen der Medikation können gerade mal 29 Prozent der Patienten vorlegen. In den meisten Fällen lässt sich der Medikationsplan nicht elektronisch verwerten. Darüber hinaus seien vorliegende Pläne „teilweise unvollständig“, sagt Plötze.

Doch auch im Krankenhaus läuft die Informationsweitergabe nicht reibungslos. Gut jeder dritte Befragte hat laut Barmer trotz veränderter Medikation vom Krankenhaus keinen neuen Plan erhalten. Die Versicherung hält die Probleme für systemisch bedingt: Die Prozesse seien „unzureichend organisiert“ und überdies „zu wenig digitalisiert“. Genau dort setzt das vom Innovationsfonds geförderte Projekt „Transsektorale Optimierung der Patientensicherheit“ an. Dabei stellt die Barmer den Kliniken mit Einverständnis der Patienten aus den Abrechnungsdaten hervorgehende Informationen, etwa zu Vorerkrankungen und verordneten Arzneimitteln, zur Verfügung. Für Plötze ein Modell mit Zukunft: „Durch die Nutzung von Krankenkassendaten können Behandlungsfehler vermieden werden. In diesem Projekt nutzen wir die Digitalisierung, um alle Beteiligten zu vernetzen.“

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