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Behandlungsfehler: Schuldzuweisungen sind fehl am Platz

Berlin (pag) – Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) stellt bei einem Viertel der insgesamt rund 15.000 geprüften Fälle einen Behandlungsfehler fest, die meisten davon in der Orthopädie/Unfallchirurgie. Das geht aus der Jahresstatistik 2019 hervor, die der MDK und der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) in Berlin vorstellen.

Von links: Prof. Astrid Zobel, Dr. Stefan Gronemeyer und Dr. Ruth Hecker bei der Vorstellung der JahresstatistikZusammen mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) plädieren MDK und MDS für eine neue Fehlerkultur. „Es geht nicht um Schuldzuweisungen“, betont APS-Vorsitzende Dr. Ruth Hecker. Hinter den Fehlern stecke in erster Linie keine Absicht oder Fahrlässigkeit, sie hätten zumeist nichts mit der medizinischen oder pflegerischen Qualität zu tun. In der Regel seien die Fehler in „systemisch-organisatorischen Defiziten“ begründet.

Die meisten Vorwürfe stellen MDS und MDK in der Orthopädie/Unfallchirurgie und in der Allgemeinchirurgie fest. „Daraus sind aber keine Rückschlüsse auf die Sicherheit in den jeweiligen Bereichen möglich. Es ist vielmehr so, dass Patienten in diesen Fächern mögliche Fehler leichter erkennen können als in anderen“, erläutert der stellvertretende MDS-Geschäftsführer Dr. Stefan Gronemeyer. Die Behandlungsfehlervorwürfe verteilten sich zu etwa einem Drittel auf die ambulante Versorgung und zu zwei Dritteln auf das Krankenhaus.

Während der Vorstellung der Jahresstatistik gehen Hecker, Gronemeyer und Prof. Astrid Zobel, Leitende Ärztin beim MDK Bayern, auch auf die Corona-Krise ein, in der das Personal im Gesundheitswesen außerordentlich gute Arbeit geleistet habe. „Wir müssen die Beschäftigten im Gesundheitssystem schützen“, betont Zobel, denn Mitarbeiterschutz sei Patientenschutz. Das APS hat Fehlermeldesysteme für den stationären und ambulanten Bereich entwickelt. Diese sollten gerade in der Pandemie zum Einsatz kommen, wünscht sich Zobel. Sie macht sich Sorgen um die verschobenen OPs. Denn zu spät angesetzte Operationen seien auch Behandlungsfehler.