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Auf dem Weg zur personalisierten Früherkennung

Heidelberg (pag) – Wie lässt sich das individuelle Brustkrebsrisiko einer Frau möglichst exakt ermitteln? Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) wollen die zur Risikobewertung verwendeten Rechenmodelle verbessern. Dabei helfen Blutproben, die bei der sogenannten EPIC-Studie gesammelt wurden.

Für diese Vorhersage haben die Forscher mathematische Modelle entwickelt. Diese basieren in erster Linie auf Daten aus der Reproduktionsgeschichte: In welchem Alter fand die erste Regelblutung statt? Wann wurde das erste Kind geboren, wie viele Kinder waren es insgesamt? Wann sind die Wechseljahre eingetreten? Wurde hormonell verhütet oder hat die Frau eine Hormonersatztherapie erhalten? Auch der Body Mass Index wird in die gängigen Modelle zur Risikobewertung einberechnet, ebenso die Anzahl der Krebsfälle bei direkten Angehörigen.

Dr. Annika Hüsing vom DKFZ konnte zeigen, dass die Modelle noch genauer werden, wenn der Hormonspiegel einberechnet wird. Dies gelte zumindest für Frauen nach den Wechseljahren. Für diese Arbeit nutzte die Wissenschaftlerin Blutproben von Teilnehmerinnen der EPIC-Studie, einer groß angelegten europäischen Untersuchung zu Ernährung, Lebensstil und Krebs. Die in diesen Proben ermittelten Konzentrationen der Geschlechtshormone Estradiol und Testosteron flossen in das Modell mit ein und verbesserten die Vorhersagekraft erheblich.

Die Vorhersage-Modelle seien allerdings nicht konzipiert für Frauen, bei denen eine Mutation der Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 bekannt ist und die dadurch ein außerordentlich hohes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. Neben den BRCA-Mutationen gebe es aber im Erbgut jedes Menschen eine Vielzahl kleiner Genvarianten, die jede für sich nur einen minimalen Einfluss hat. Zusammengenommen können sie das Brustkrebsrisiko jedoch deutlich steigern. Wie groß dieser Einfluss ist, ermitteln Wissenschaftler derzeit in großen internationalen Forschungskonsortien, an denen auch die DKFZ-Epidemiologen beteiligt sind. Diese genetischen Risikoprofile sollen als biologische Marker in die Modelle einfließen.

Mehr Information zum Mammographie-Screening des Krebsinformationsdiensts des Deutschen Krebsforschungszentrums:
https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/frueherkennung/mammographie-frueherkennung.php