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Deutschland Schlusslicht bei Impfungen

Berlin (pag) – Unter dem Motto „Vaccines work“ startet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 24. bis 30. April die „Europäische Impfwoche 2017“. Ziel: Das Bewusstsein dafür stärken, dass Impfen wichtig ist, um Krankheiten vorzubeugen und Leben zu schützen.

Der gesamte amerikanische Kontinent wurde Ende letzten Jahres für masernfrei erklärt. In 35 von 53 europäischen Ländern wurde die Übertragung von Masern und Röteln seit 2015 erfolgreich gestoppt. „Die Unterbrechung der Übertragung in mehr als der Hälfte zeigt, dass die Eliminierung der Masern und Röteln in der gesamten Region möglich ist“, erklärt Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa.

In Deutschland hingegen steigen die Zahlen von Masern-Neuinfektionen seit 2010 jährlich wieder. „Diese Daten zeigen, dass in Deutschland zum Teil erschreckende Impflücken bestehen, wie der Masernausbruch in Berlin und die 90 Masernerkrankten in Deutschland zeigen“, kritisiert Dr. Hedwig Roggendorf vom Zentrum für Prävention der Technischen Universität München. „Vor allem in Sachen Masern muss weiterhin viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.“ So sei es beispielsweise wichtig aufzuklären: In der Vor-Impfära seien beispielsweise pro Jahr etwa 20.000 Kinder an einer Masernpneumonie und etwa 500 an einer Enzephalitis (Hirnentzündung) erkrankt. Etwa 70 Kinder im Jahr seien sogar gestorben, erklärt Roggendorf.

Experten kritisieren eine weltweit zunehmende Impfskepsis und -müdigkeit, vor allem in Industrienationen. Das führe dazu, dass Krankheiten nicht vollständig ausgerottet werden, sondern nur in Vergessenheit geraten und sich durch das Auslassen von Impfungen verstärkt wieder ausbreiten können.