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Diabetes: Große Potenziale in der Digitalisierung

Berlin (pag) – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sieht in der Digitalisierung eine große Chance, flächendeckend medizinische Versorgung auf höchstem Niveau zu gewährleisten. Closed-Loop-Systeme zur (teil)automatischen Abgabe von Insulin nutzen US-Amerikaner bereits 100.000-fach, in Deutschland werden sie jedoch nicht erstattet.

Blutzuckermessgerät neben einer ZuckerdoseDiabetes mellitus gehört zu den Stoffwechselerkrankungen.„Unser Ziel ist, die Lebensqualität und -erwartung von Menschen mit Diabetes stetig zu verbessern“, sagt der DDG-Präsident Prof. Dirk Müller-Wieland auf der Jahrespressekonferenz der Gesellschaft in Berlin. Eine zentrale Rolle spiele dabei die Einführung eines Nationalen Diabetesregisters: Damit könne ausgewertet werden, wie effektiv Therapien mit bestimmten Medikamenten sind – und welche Wirkungen nicht medikamentöse Maßnahmen wie Patientenschulungen und die Stoffwechselselbstkontrolle haben. Aber auch bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens will sich die DDG aktiv einbringen. Müller-Wieland fordert eine hundertprozentige Interoperabilität der elektronischen Lösungen, um die Vorteile der Digitalisierung den Diabetes-Patienten zur Verfügung zu stellen.
Zudem verbessern moderne Technologien wie sogenannte Continuous-Glucose-Monitoring-Systeme die Therapiesituation und Lebensqualität von Menschen mit Diabetes. Über die Hälfte junger Patienten mit Typ-1-Diabetes nutzt mittlerweile eine digitale Insulinpumpe mit einem integrierten sogenannten Bolusrechner, der die benötigte Dosis besonders exakt ermittelt.
In den USA sind bereits (teil)automatisierte Insulinpumpen, sogenannte AID-Systeme, verfügbar und werden dort von mehr als 100.000 Patienten genutzt. In Europa sind solche Systeme zugelassen, werden aber nicht erstattet. Es gebe Patienten, die deshalb ihren Wohnsitz verlagern wollen, sagt Prof. Thomas Danne vom Kinderkrankenhaus Auf der Bult in Hannover. Einige Diabetiker bauen sich dieses System selbst: So wie die Diabetes-Bloggerin Stephanie Haack, die durch ihr Do-it-yourself-AID weniger Über- oder Unterzuckerungen in der Nacht habe. Ihre Insulinpumpe werde teilweise automatisch über eine Smartphone-App gesteuert. Sie wünscht sich, dass die Digitalisierung ihr einen Teil der Last abnimmt, „die der Diabetes unweigerlich mit sich bringt“.