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10. November 2014

Patientenzentrierung

Wie kann sie erreicht werden?

 
Berlin – Wie der Patient in den Mittelpunkt der Medizin gestellt werden kann, diskutieren 100 Experten auf dem 2. DNVF-Forum Versorgungsforschung. Veranstalter sind neben dem Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) auch Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Gefordert wurde ein Wandel in der Arzt-Patienten-Beziehung.

„Wir müssen nicht auf andere Länder schauen, um Modelle für eine Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung zu finden“, sagt Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV. In Deutschland gebe es in den Regionen viele gute Projekte. Der KBV liege die Versorgungsforschung besonders am Herzen. Auch BÄK-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery betont die Bedeutung des Forschungszweigs. Die Patienten-Arzt-Kommunikation, wie er es formuliert, stehe im Spannungsfeld zwischen dem Patienten in seiner Rolle als Leidender und als Kunde. Für den Ärztevertreter ist das jedoch kein „Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch“, sagt er. Fürsorge, Nächstenliebe und soziale Verantwortung müssten nicht außen vor bleiben, wenn Ärzte ihre Patienten als Kunden sähen.
Einen Wandel in der Arzt-Patienten-Beziehung fordert Prof. Dr. Martin Härter. „Es geht darum, die medizinische Kultur zu verändern“, sagt der Versorgungsforscher vom Institut für Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. „Ein Arztkontakt dauert im Schnitt nur acht Minuten und Patienten werden nach 20 Sekunden von ihrem Arzt unterbrochen“, so Härter. Patienten verstünden außerdem oft nur die Hälfte der erhaltenen Informationen. Das mache es für die Betroffenen schwierig, gemeinsam mit dem Arzt über die Behandlung zu entscheiden. Viele Befragungen belegten aber, dass die meisten Patienten mehr beteiligt werden wollen. Um die Situation zu verbessern, fordert Härter unter anderem die Arzt-Patienten-Kommunikation in der Aus- und Fortbildung der Mediziner stärker zu verankern. Notwendig sei auch besseres Informationsmaterial für Patienten. „Wir brauchen mehr gute, evidenzbasierte Entscheidungshilfen“, betont Härter.
Aus der Sicht von Prof. Dr. Nicole Ernstmann von der Universität Köln müsse die Gesundheitskompetenz (health literacy) der Patienten erhöht werden. Wichtig sei der Zugang zu und das Verstehen, Beurteilen und Anwenden von Informationen. „Studien belegen, dass niedrigere Gesundheitskompetenz mit schlechterer Gesundheit assoziiert ist“, betont Ernstmann. Sie führe auch zu geringerer Inanspruchnahme von Vorsorge- und Früherkennungsleistungen sowie zu höheren Gesundheitskosten. Maßnahmen auf organisatorischer Ebene könnten die Gesundheitskompetenz verbessern. Dazu zählten eine Veränderung des Leitbildes, ein Qualitätsmanagement, Kommunikationsstandards und Mitarbeiterschulungen. Diese Maßnahmen kosteten nicht viel, allerdings brauche es dazu Führungskräfte, denen das Thema am Herzen liege. „Es muss sich was in den Köpfen ändern“, sagt Ernstmann.
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Gar nicht so selten – Herausforderungen seltene Erkrankungen" am 25.04.2018 in Berlin
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Digitorial

Literaturtipps
Cover Berg-Peer

"Moderation von Selbsthilfegruppen" von Janine Berg-Peer
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