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Patientenberatung sieht Aufklärungsbedarf

Berlin (pag) – Rund ein halbes Jahr nach dem Start des neuen bundeseinheitlichen Medikationsplans zieht die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) ein ernüchterndes Fazit: „Bedauerlicherweise müssen wir feststellen, dass kaum ein Patient davon überhaupt jemals gehört hat. Das muss sich ändern!“

Seit 1. Oktober 2016 hat jeder Patient mit mindestens drei verordneten Medikamenten Anspruch auf einen für Laien verständlichen Medikationsplan nach einheitlichem Muster. Der Plan verschafft Patienten, aber auch Ärzten und Apothekern einen aktuellen Überblick über die Medikation. In Deutschland nimmt jeder Fünfte regelmäßig mindestens drei Arzneimittel ein. Trotz der hohen Zahl an Anspruchsberechtigten und gesetzlicher Aufklärungspflichten steht der Durchbruch für den Medikationsplan indes noch aus, so die UPD.

Dr. Johannes Schenkel, Ärztlicher Leiter der UPDDr. Johannes Schenkel„Aus der medizinischen Beratung bei uns können wir nur schließen, dass der neue Medikationsplan noch nicht richtig in der gesundheitlichen Versorgung angekommen ist, obwohl die Ärzte zur Information der Patienten jetzt gesetzlich verpflichtet sind“, sagt Dr. Johannes Schenkel, Ärztlicher Leiter der UPD. Aus seiner Sicht könne der Plan die Arzneimittelsicherheit deutlich verbessern. Viel zu viele Patienten litten heute noch unter Medikationsfehlern. Verständliche Medikationspläne könnten das Risiko für derartige Fehler verringern. „Wir appellieren daher an die Ärzte, die Patienten dazu besser zu informieren“, so Schenkel weiter. Er kündigt an, dass die Berater der UPD Ratsuchende verstärkt über die Vorteile des Medikationsplans aufklären werden.

Im Medikationsplan aufgeführt werden neben Wirkstoff, Handelsname, Stärke und Informationen zur Einnahme insbesondere auch patientenverständliche Begründungen, warum ein Medikament eingenommen wird – also beispielsweise wegen Bluthochdruck. Den Plan erhalten Patienten im ersten Schritt in Papierform – in der Regel vom Hausarzt, alternativ auch vom Facharzt, wenn der überwiegend die Therapie des Patienten begleitet. Die Aktualisierung des Plans kann auch in der Apotheke vorgenommen werden. Vom kommenden Jahr an soll es zusätzlich auch die Möglichkeit geben, die Daten auf dem Speicherchip der elektronischen Gesundheitskarte abzulegen, sofern der Patient dies wünscht.