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Expertenstreit über Zulassung zur Blutspende

Berlin (pag) – Der Umgang mit sogenannten Risikogruppen bei Blutspenden sorgt bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags für Kontroversen. Die Bundesärztekammer (BÄK) rechtfertigt die befristete Rückstellung bestimmter Menschen mit sexuellem Risikoverhalten von der Blutspende. Schwulenverbände sehen in der jetzigen Praxis eine Form der Diskriminierung.

Nach Ansicht der Grünen-Fraktion dürfen von der Blutspende nicht Gruppen pauschal ausgeschlossen werden. Stattdessen sollten die Risiken nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen rational abgewogen werden, heißt es in einem Antrag der Fraktion. Die FDP-Fraktion plädiert in ihrem Antrag dafür, das Blutspendenverbot für homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen abzuschaffen.

Der BÄK zufolge ist es ein Missverständnis, wenn verhaltensassoziierte, epidemiologisch begründete Infektionsrisiken, die ab der Beendigung des Risikoverhaltens zu einer zeitlich begrenzten Rückstellung von der Blutspende führten, fälschlicherweise mit einem Verbot oder gar mit Diskriminierung verwechselt würden. Es sei notwendig, Personen mit sexuellem Risikoverhalten nicht zur Blutspende zuzulassen, um die Sicherheit der Empfänger zu gewährleisten.
Die Deutsche Hämophiliegesellschaft erinnerte an das Leid, das durch die Blutübertragung gefährlicher Infektionskrankheiten in der Vergangenheit entstanden sei. Heute sei die Sicherheit bei Blutprodukten und Plasmaderivaten gut. Durch eine Lockerung des Ausschlusses von Personen mit sexuellen Infektionsrisiken würden die Sicherheitskriterien teilweise infrage gestellt. Männer, die Sex mit Männern hätten, blieben aufgrund ihrer höheren Infektionslast bezüglich HIV und Syphilis Risikospender.

Die Deutsche Aidshilfe findet, die Definition des Sexualverhaltens schwuler Männer als pauschales Risikoverhalten sei inhaltlich falsch und diskriminierend. Eine Rückstellungsfrist zur Blutspende von mehr als einem Monat für alle sogenannten Risikogruppen sei wissenschaftlich nicht zu begründen. Im Übrigen werde auch das sexuelle Risikoverhalten heterosexueller Menschen nicht näher definiert.

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