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Gefährliche Lücken bei der HPV- und Röteln-Impfung

Berlin (pag) – Der Arzneimittelreport 2019 der Barmer offenbart vielfältige Impflücken – nicht nur bei Masernimpfungen von Kindern, sondern auch bei Impfungen gegen den Humanen Papillomvirus (HPV). Der Kassenanalyse zufolge sind außerdem viele junge Frauen ohne Rötelnimpfschutz.

Die STIKO empfiehlt, dass Personen mit fehlender oder unvollständiger Polio-Impfung diese nachholen.Auf der Pressekonferenz nennt Reportautor Prof. Daniel Grandt konkrete Zahlen: Im Jahr 2017 war jedes fünfte Mädchen im Alter von zwei Jahren nicht ausreichend gegen Röteln immunisiert. Bis zum Ende des sechsten Lebensjahres stieg die Immunisierungsrate zwar auf 88,8 Prozent. Aber nach dem Schuleintritt erfolgten praktisch keine Rötelnimpfungen mehr. Grandt weist darauf hin, dass Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen gemäß STIKO-Empfehlung bis zum vollendeten 17. Lebensjahr nachgeholt werden sollen. „Eine von zehn Frauen hat beim Eintritt ins gebärfähige Alter keinen Impfschutz gegen Röteln“, unterstreicht der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I, Klinikum Saarland.

Auch bei der HPV-Impfung sieht der Experte Handlungsbedarf. Die Kassenstudie zeigt, dass mehr als ein Drittel der Mädchen bis zum 18. Lebensjahr gar nicht gegen HPV geimpft wurde und dass etwa zehn Prozent zwar eine erste Impfung, aber keine vollständige Immunisierung erhalten. Fast die Hälfte der bei der Barmer versicherten Mädchen dieser Alterskohorte hat damit keinen Impfschutz gegen HPV-Infektionen.
Der Report zeigt auch die Situation in den einzelnen Bundesländern: Die geringste Rate an HPV-Impfungen findet sich in Bayern, wo 60 Prozent der Mädchen keinen oder keinen ausreichenden Schutz aufweisen. Selbst in Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit der höchsten Rate an HPV-Impfungen, seien rund 30 Prozent der Mädchen nicht oder unvollständig geschützt. Grandts Vorschlag lautet, statt eines zeitlichen Korridors für die Impfung ein oder zwei Zeitpunkte zu empfehlen. Er verweist auf das Kinder-und Jugendprogramm der Barmer. Mädchen, die darin eingeschrieben waren und die J2-Untersuchung wahrnahmen, hätten eine 43 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, vollständig gegen HPV geimpft zu sein.