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12. September 2014

Baden-Württemberg

Hausarztvertrag verhindert Klinikeinweisungen

 
Berlin – Die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) in Baden-Württemberg verhindert mehr als 4.500 Klinikeinweisungen pro Jahr. Allein 250 Hüftgelenksfrakturen jährlich konnten vermieden werden, belegen wissenschaftliche Ergebnisse. „Die HzV setzt in der ärztlichen Versorgung auf den Teamgedanken“, nennt Studienleiter Prof. Ferdinand M. Gerlach eine Ursache für den Erfolg.

Prof. Dr. Ferdinand Gerlach (© pag/Maybaum)
Die intensivere Betreuung in der HzV habe dazu beigetragen, Klinikeinweisungen etwa wegen Harnwegsinfekten, Pneumonie (Lungenentzündung) oder eines entgleisten Diabetes zu vermeiden, erläutert der zweite Studienleiter Prof. Joachim Szecsenyi, Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg. HzV-Patienten hätten durchschnittlich pro Jahr drei Hausarztkontakte mehr als die Versicherten in der Regelversorgung, dies entspreche 15 Prozent, erläutert Szecsenyi bei der Präsentation der Ergebnisse. Überflüssige Behandlungen nähmen ab. „Unkoordinierte Facharztkontakte liegen um mehr als 20 Prozent unter der Regelversorgung“, sagt er.

Ferdinand M. Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main: „Die HzV-Patienten schätzen es, dass auch die Informationen aus Facharztbehandlungen beim Hausarzt zusammenlaufen. HzV-Praxen betreiben ein konsequentes Patientencoaching und entwickeln sich so zur Teampraxis.“ Positiv wirke sich auch die Arbeit der mittlerweile über 1.500 Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH) aus – für Ärzte und Patienten gleichermaßen.

Generell befänden sich deutlich mehr ältere Patienten und chronisch Kranke in der HzV als in der Regelversorgung, hebt Gerlach hervor: „Wir machen also keine Rosinenpickerei, wie uns manchmal vorgeworfen wird.“ Der Allgemeinmediziner: „Die Teilnahmequote bei chronisch kranken HzV-Patienten beträgt für die wichtigen Chronikerprogramme (DMP) Diabetes mellitus, Koronare Herzkrankheit und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ein Vielfaches über der Regelversorgung: Unter den älteren Patienten mit Diabetes werden in der HzV beispielsweise 74 Prozent eingeschrieben, in der Kontrollgruppe lediglich 50 Prozent.“

1,25 Millionen Versicherte sowie über 3.800 Hausärzte und rund 1.500 kooperierende Fachärzte nehmen mittlerweile an der HzV in Baden-Württemberg teil. Der Hausarztvertrag nach § 73 b SGB V wurde 2008 gestartet, beteiligt sind die AOK Baden-Württemberg, Medi Baden-Württemberg und der Landesverband des Deutschen Hausärzteverbandes.
Digitorial

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