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Immer mehr Fehltage durch psychische Krankheiten

Berlin (pag) – Mit einem Krankenstand von 5,1 Prozent erreichen die Fehlzeiten bei den Beschäftigten im Jahr 2018 einen neuen Höchststand, wie der aktuelle BKK-Gesundheitsreport 2019 zeigt. Die Krankheitstage durch psychische Leiden sind im Vergleich zum Vorjahr am stärksten angestiegen – um 5,4 Prozent.

Einsamer Mann am SeeIn Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 5,3 Millionen Menschen an einer Depression.Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbands, weist darauf hin, dass 2018 etwa jeder sechste Fehltag auf das Konto von psychischen Krankheiten ging. Zwei Drittel machen neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen aus, ein Drittel affektive Störungen, darunter fallen Depressionen. Die stark ausgeprägte Grippewelle war ebenfalls für den Rekordwert 2018 verantwortlich. Generell sei die Zahl und die Dauer der Arbeitsunfähigkeits-Fälle in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen.
Arbeit mache dort gesund, sagt er, „wo Arbeitnehmer hohe Autonomie haben und wo ein gesundheitsförderndes Arbeiten“ möglich sei. Keine Arbeit zu haben, sei der größte Gesundheitsgefährdungsfaktor. Knieps fordert: „Wir müssen neue Angebote in die Fläche bringen.“

Dass verschiedene Schutzfaktoren für Gesundheit am Arbeitsplatz verantwortlich sind, erklärt Prof. Holger Pfaff von der Universität Köln. Wichtig seien Wertschätzung, gegenseitige Unterstützungsbereitschaft unter Kollegen und Führungskräfte, die nicht zu „Stressoren“ werden. Pfaff betont, dass betriebliche Präventionsmaßnahmen und Gesundheitsförderung essenziell seien – dazu gehöre die psychische Gefährdungsbeurteilung, eine gesunde Mitarbeiterführung und die Förderung von Gesundheitskompetenz. Man müsse sich im Betrieb die Frage stellen: Wie kann man schnell niedrigschwellige Hilfe schaffen? Dr. Ulrich Birner von der Siemens AG unterstreicht, dass die „Gefährdungsbeurteilung ein sehr gutes Präventionsinstrument“ ist, jedoch nur 20 Prozent der deutschen Unternehmen diese anwenden. Er erklärt, dass ein Risikofaktor für psychische Erkrankungen oft die Kombination von hoher Verantwortung und niedriger Entscheidungsfreiheit sei. Birner fordert, dass die Stigmatisierung psychischer Krankheiten kontinuierlich bekämpft werden müsse.

Der Gesundheitsreport ist hier zu finden.