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Kein Verkauf im Vorzimmer

Düsseldorf – Die Entscheidung für oder gegen eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die gesetzlich Krankenversicherte selbst bezahlen müssen, darf nicht im Vorzimmer von Arztpraxen getroffen werden. Darauf weist die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hin.

In jeder fünften Beschwerde im Online-Forum der Verbraucherzentrale, IGeL-Ärger.de, schilderten Patienten, dass viele Ärzte sich bereits im Vorzimmer die Zustimmung für oder den Verzicht auf eine IGeL unterschreiben ließen. Mit ihrem Kreuz bei „Nein“ sollten Patienten ausdrücklich erklären, dass sie neben der gesetzlichen Kassenleistung keine zusätzliche medizinische Gesundheitsleistung in Anspruch nehmen wollten. Manche Ärzte begründeten ihr Vorgehen, dass sie sich schriftlich gegen unberechtigte Haftungsansprüche absichern wollten, falls Patienten später erkranken und Schadensersatzforderungen stellen würden. „Um kein Gesundheitsrisiko einzugehen, kreuzen viele Patienten die Verzichtserklärung dann nicht an und willigen stattdessen schon im Vorzimmer verunsichert in eine Individuelle Gesundheitsleistung ein, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt die mögliche Erkrankung und die dazugehörige Behandlung noch gar nicht kennen“, beschreibt die Verbraucherzentrale NRW den Effekt dieser indirekten Verkaufsstrategie.

Die IGeL-Verzichtserklärung werde laut Angaben im Online-Forum häufig von Augenärzten vor Glaukom-Vorsorgeuntersuchungen verlangt. Daneben legten auch einige Gynäkologen Patientinnen eine schriftliche Verzichtserklärung bei zusätzlichen kostenpflichtigen Ultraschall-Untersuchungen vor.

„Patientinnen und Patienten sollten sich in der Arztpraxis von geforderten Unterschriften unter IGeL-Ausschluss-Formularen nicht unter Druck setzen lassen. Solch eine Verzichtserklärung entbehrt jeder rechtlichen Grundlage“, so die Verbraucherzentrale. Gesetzlich Versicherte müsste solche Formulare nicht unterschreiben.