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Kampf gegen HIV als Vorbild für Corona?

Berlin (pag) – Unter der Überschrift „Lessons learned? Was wir heute von der AIDS-Pandemie lernen können“ diskutieren Experten aus Politik und Gesundheitswesen über Gemeinsamkeiten von AIDS- und Covid-19-Pandemie. Sie mahnen an, die Fehler nicht zu wiederholen.

Silke Klumb, Geschäftsführerin der Deutschen Aidshilfe, hält die Lage durchaus für vergleichbar: „Wir haben genau wie damals bei AIDS wenig Wissen, viel Unsicherheit und schnellen Handlungsbedarf.“ Dass Deutschland trotz früherer Pandemien nicht auf Corona vorbereitet war, schreibt Prof. Andrew Ullmann, Leiter der Infektiologie des Uniklinikums Würzburg und Abgeordneter der FDP im Bundestag, Ärzteschaft wie Politik gleichermaßen zu. „Bis heute gibt es keinen Facharzt für Infektiologie“, kritisiert er. Die nötige Kompetenz sei darum nicht überall vorhanden. Darüber hinaus sei der Öffentliche Gesundheitsdienst „kaputtgespart“ worden. „Und diese Mangelwirtschaft haben wir jetzt gemerkt“, so Ullmann.

Damals wie heute zählt Stigmatisierung zu den größten Problemen. Corona sei mittlerweile „eine Epidemie der marginalisierten Gruppen und sozial Schwächeren“, erläutert Klumb. Angesichts der neuesten Entwicklungen in Deutschland – unter anderem gibt es in einigen Bundesländern Einreisebeschränkungen oder Übernachtungsverbote für Menschen aus dem Kreis Gütersloh – fordert sie daher auf zu „Solidarität statt Ausgrenzung“.

Robin Rüsenberg, Geschäftsführer der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter, mahnt mit Blick auf die ersehnten Impfstoffe und Therapeutika gegen Sars-CoV-2 einen „langen Atem“ an. Den habe man schon bei HIV gebraucht, bis heute gibt es noch keinen Impfstoff. „Wir haben gelernt, mit HIV zu leben“, sagt Rüsenberg, der daher mit Blick auf die aktuelle Pandemie vor allem die Verhaltensprävention stärken will. Ganz nach dem Vorbild HIV: Hier hätten die großen Aufklärungskampagnen Erfolg gehabt.