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Kinderärzte gegen Verschiebung des Masern-Schutzgesetzes

Berlin (pag) – Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) kritisiert die vom Bundesrat angestoßene Verschiebung der Umsetzung des Masern-Schutzgesetzes in Gemeinschaftseinrichtungen.

Zur Schutzimpfung ist laut Gesetz nun jeder Arzt berechtigt.Der Bundesrat hat vorgeschlagen, die eigentlich zu Ende Juli geplante Umsetzung des Masern-Schutzgesetzes in Gemeinschaftseinrichtungen um 18 Monate zu verschieben. Dies wird damit begründet, dass die Umsetzung Anstrengungen der Einrichtungen und Gesundheitsämter erfordere, für die diese durch die Corona-Pandemie keine Zeit hätten.

Diese Argumentation „verwundert“ die DAKJ. Der Termin für die Umsetzung des Gesetzes sei seit über einem Jahr bekannt und hätte bereits längst umgesetzt sein können. Die Pandemie habe im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres zu weniger Impfungen geführt, so dass einige Kinder die Masernimpfung nicht rechtzeitig erhalten haben. „Hier sind Nachholimpfungen, wie sie durch das Masernschutzgesetz angestoßen werden, dringend geboten.“ Durch die Hygienemaßnahmen sei es zudem zu einer starken Verminderung der Übertragung gekommen. „Dadurch sind viele für Masern empfängliche Kinder in Deutschland vorhanden“, warnen die Kinderärzte.

Wenn es in Kitas und Schulen zu Masernausbrüchen komme, gebe es ungleich mehr Arbeit, um die Fälle zu sichern, die Kontakte zu verfolgen sowie die Ansteckung und weitere Ausbreitung zu verhindern. Die DAKJ bemängelt, dass „aufgrund von bürokratischen Überlegungen der Schutz von Kindern gegen die schwere Erkrankung an Masern geschwächt“ wird. Lediglich individuelle Anträge auf „eine kurze Fristverlängerung von maximal drei Monaten“ halten die Mediziner für akzeptabel. Sie fordern den Bundestag auf, dem Wunsch des Bundesrates nicht nachzukommen.