Drucken

Medikamentensicherheit: Bislang nur Fehlalarme

Berlin (pag) – Um zu verhindern, dass gefälschte Medikamente in Apotheken ausgehändigt werden, gibt es seit einem Jahr ein europaweites Verifizierungssystem. Es prüft die Verpackungen auf Echtheit. Die Betreiber zeigen sich nach einem Jahr zufrieden. Es gibt aber noch Verbesserungspotenzial.

Ein Erstöffnungsschutz, durch den die Unversehrtheit einer Packung erkennbar ist, gehört zum Sicherheitssystem von securPharm.Bevor sie ein verschreibungspflichtiges Medikament abgeben, müssen Apotheker den auf der Verpackung befindlichen Code scannen. Er enthält Produktcode, Seriennummer, Chargenbezeichnung und Verfalldatum. Das System schlägt Alarm, wenn ein Medikament mit denselben Daten bereits verkauft wurde oder die Herstellerdatenbank mit den Apothekendaten für das Produkt nicht übereinstimmt.

Der für diese Sicherheitsstruktur in Deutschland zuständige Verein securPharm, der in ein europäisches Schutzsystem integriert ist, zeigt sich zufrieden mit dem ersten Praxis-Jahr. Bereits zum Stichtag am 9. Februar 2019 seien nahezu 100 Prozent der Nutzer ans System angebunden gewesen, sagt securPharm-Geschäftsführer Martin Bergen. Die Zahl der Scans pro Tag habe sich innerhalb eines Jahres von einer Million auf rund sechs Millionen gesteigert, was etwa 60 Prozent aller Transaktionen entspreche. Bei den übrigen 40 Prozent handele es sich demnach um Medikamenten-Bestände, die bereits vor dem Stichtag in Umlauf gebracht wurden und damit von dem System nicht erfasst sind.

Problematisch sind die Fehlalarme: Hierzulande sind es täglich rund 20.000. Verantwortlich dafür sind Bergen zufolge Fehler in der Software der Hersteller, falsch konfigurierte Scanner oder Fehler in der Handhabung. Im europäischen Vergleich seien diese Werte gut, betont Bergen. Spitze seien die skandinavischen Länder. Anders als in Deutschland dominiere dort in der Regel ein großer Softwareanbieter den Markt.

Tatsächlich gefälschte Medikamente hat das neue Sicherheits-System im Übrigen noch nicht aufgespürt – zumindest nicht in Deutschland. Den einzigen Fall von Medikamenten-Fälschung im vergangenen Jahr gab es in den Niederlanden.