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Projekt schafft intelligente Notfallkette für Demenzkranke

Berlin (pag) – Menschen mit Demenz zeigen vielseitige Verhaltensänderungen. Scham, Angst und eine abnehmende Orientierungsfähigkeit senken den Grad der Selbstständigkeit. Das Pilot-Verbundprojekt QuartrBack will ein Helfernetz mit Technologien für Ortung, Monitoring und professioneller Dienstleistung verbinden.

Gewöhnlich beschränken sich herkömmliche Sicherheitssysteme zu Beginn der Erkrankung auf Haus oder Wohnung. Installiert werden können etwa ein Hausnotrufsystem, eine automatische Herdabschaltung sowie Sensoren im Wohnraum, die im Bedarfsfall die Beleuchtung für den Weg zur Toilette einschalten. Damit sich Betroffene auch im fortschreitenden Krankheitsverlauf in ihrem vertrauten Sozialraum frei bewegen können, will QuartrBack eine intelligente Notfallkette schaffen.

Kernstück des Projekts ist das sogenannte Service-Center-Pflege (SCP). Mithilfe einer speziellen Software können die SCP-Mitarbeiter in einer Risikosituation umgehend die nächsten Hilfeschritte vorausplanen. Durch ein Ortungssystem – etwa in der Armbanduhr der Betroffenen – schalten sich beim Verlassen der Wohnung sicherheitskritische Geräte automatisch aus, die Haustür verschließt sich und wird bei der Rückkehr wieder geöffnet. Die SCP-Software registriert dann die weiteren Bewegungen außerhalb der Wohnung und bewertet die Situation in Echtzeit auf Basis einer Reihe von Parametern – zum Beispiel das aktuelle Wetter mit Regen- und Gewitterwahrscheinlichkeit, die Tageszeit oder den Status der Medikamenteneinnahme.

Wenn nun ein Mensch mit Demenz von seinem gewohnten Bewegungsprofil abweicht, ein schweres Gewitter ansteht oder dringend Insulin eingenommen werden muss, wird automatisch das SCP alarmiert. Das soll es ermöglichen, rechtzeitig – vor einer schweren Notsituation – geeignete Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen einzuleiten. Dabei greift das System etwa auf ein integriertes Helfernetzwerk aus Angehörigen, professionell Pflegenden und Freiwilligen zurück. Die Software registriert bei einer drohenden Notsituation auch, welche potenziellen Helfer sich in der Nähe befinden. Diese können dann mithilfe einer WebApplication auf dem Mobiltelefon alarmiert und zu den betroffenen Menschen mit Demenz dirigiert werden.

QuartrBack wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert. Beteiligt sind die Evangelische Heimstiftung (EHS), das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), das Forschungszentrum Informatik (FZI) sowie private Unternehmen.