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Nicht alle Diabetiker sind Covid-19-Risikopatienten

Berlin (pag) - Menschen mit einem gut eingestellten Diabetes mellitus erkranken nicht häufiger an Covid-19 als andere Menschen. Darauf verweist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und warnt vor einer Stigmatisierung von Bevölkerungsgruppen in der Corona-Pandemie.

Blutzuckermessgerät neben einer Zuckerdose

Diabetes mellitus gehört zu den Stoffwechselerkrankungen.

Derzeit gebe es nur wenige Studien, die den Zusammenhang von Covid-19 und Diabetes untersuchen. „Diese Daten lassen vermuten, dass ein Diabetes an sich kein Risikofaktor ist. Eher ist es die Kombination aus Diabetes mit Alter und Begleiterkrankungen, die einen schweren Verlauf provoziert“, erklärt Prof. Baptist Gallwitz von der DDG. Aktuelle medizinische Daten rechtfertigten nicht den Ausschluss von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben allein aufgrund einer Diabetes-Erkrankung. Dies gelte für Kitas, Schulen, soziale Kontakte im Allgemeinen sowie den Berufsalltag. In einem Positionspapier warnt der DDG Ausschuss „Soziales“ davor, im Zuge der anstehenden schrittweisen Öffnungen Bevölkerungsgruppen auszugrenzen ohne eine medizinische Evidenz. Grundsätzlich könnten berufstätige Diabetiker ihre Tätigkeit in der Corona-Pandemie fortsetzen, wenn die erforderlichen Schutzmaßnahmen eingehalten würden. Dies gelte auch für Kinder und Jugendliche in Bildungseinrichtungen. „Betroffene sollten allerdings einen stabilen Diabetes-Stoffwechsel haben und nicht an anderen schweren Risikofaktoren wie Erkrankungen an Gefäßen, Lunge, Herz, Nieren oder Leber leiden“, führt Wagener aus. Bei stark gefährdeten Patienten müssten Ärzte, Betriebsärzte und Gesundheitsbehörden individuell über die berufliche Teilhabe entscheiden. „Grundsätzlich ist jedoch festzuhalten, dass bei einer stabilen Infektionssituation eine dauerhafte Einschränkung der Teilhabe von bestimmten Bevölkerungsgruppen aus menschlichen, ethischen, juristischen, ökonomischen und psycho-sozialen Gründen weder sinnvoll noch zulässig ist“, betont er.