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Rabattverträge sorgen für Lieferengpässe

Berlin (pag) – 4.125 mögliche Arzneimittel-Rabattverträge mit 600 verschiedenen Wirkstoffen wurden bereits bis Ende September 2017 in Deutschland ausgeschrieben, teilt Pro Generika mit. Dies gefährde die Versorgungssicherheit.

Dass immer noch über 50 Prozent der Lose mit maximal einem Rabattpartner ausgeschrieben werden, verschärfe die Situation zusätzlich. Marktkonzentration und Lieferengpässe seien die Konsequenz dieser Praxis. Zudem führten Rabattvertragsmodelle zu steigenden bürokratischen und ökonomischen Hürden für Generikaunternehmen. „Dabei ist die Geschichte der Generika eigentlich ein Erfolgsmodell: Mit Generika werden 77 Prozent des Arzneimittelbedarfs der gesetzlich Versicherten gedeckt – im europäischen Vergleich ein Spitzenwert“, heißt es in der Mitteilung von Pro Generika.

Kritisch seien auch die vielen bürokratischen Hürden, wenn sich ein Unternehmen um die Arzneimittelversorgung innerhalb des Rabattvertragsmodells bewerben möchte. Neben dem Zusammenstellen sicherheitsrelevanter Zertifikate und Bescheinigungen müssten beim Bieten auch die unterschiedlichen IT-Voraussetzungen und IT-Zugänge der Kassen und Ausschreibungsdienstleister beachtet werden.

„Ein immenser Aufwand, der bei vielen Wirkstoffen für die Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich ist“, bilanziert der Verband, der zur Entschärfung der Situation Gesetzesänderungen vorschlägt. Zum einen dürfe es für versorgungskritische Wirkstoffe wie Antibiotika oder Krebsarzneien keine Rabattverträge mehr geben, um Engpässe zu vermeiden. Zum anderen sollte mehr als ein Unternehmen in den Vertrag eingebunden werden, um Lieferausfälle kompensieren zu können.

Im Klinikbereich müsse auch etwas geschehen: Die bestehenden Marktmechanismen würden immer wieder zu unwirtschaftlichen Preisen führen, wodurch wiederum die Liefersicherheit abreiße, sagt eine Sprecherin von Pro Generika auf Anfrage. Zudem bestünden keinerlei Abnahmeverpflichtungen für Krankenhäuser. „Weiß aber der Hersteller nicht, welche Mengen eines Arzneimittels für die Klinikversorgung benötigt werden, erschwert dieses Unwissen die bedarfsgerechte Produktion. Im Krankenhausbereich könnte eine Vertragsgestaltung mit einer Art von Abnahmegarantie, zu der sich die Krankenhäuser bereit erklären müssten, die Liefersicherheit verbessern“, fordert die Sprecherin.