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„Rabattverträge verhindern bessere Impfraten“

Köln (pag) – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisiert die Rabattverträge der Krankenkassen, die Ärzten vorschreiben, welche Impfstoffe sie verwenden dürfen. Sie sind nach Ansicht des BVKJ ein Grund für die zu geringen Impfraten. Daten zu Erkrankten und Todesfällen der vergangenen Grippesaison hatte kürzlich das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht.

„Ein großes Hindernis auf dem Weg zu besseren Impfraten ist der uneinheitliche Umgang der gesetzlichen Krankenkassen mit der Erstattung der Grippeimpfung“, sagt BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach. Durch Rabattverträge zwischen Kassen und Herstellern würden Ärzte gezwungen, nur bestimmte Impfstoffe zu verwenden. Nutzten sie andere Impfstoffe, die sie im Rahmen ihrer Therapiefreiheit für angebrachter halten, drohe ihnen ein Regress.

„Diese Vorauswahl führt zum Beispiel im Bereich Nordrhein zu der absurden Situation, dass von den zwei einsetzbaren Impfstoffen einer nicht für Kinder unter fünf Jahren zugelassen ist und der andere mit einer festen Kanüle versehen ist, die für kleine Kinder nicht geeignet ist“, so Fischbach weiter. Kinder- und Jugendärzte könnten also Kleinkinder nicht mit den von den Kassen vorgesehenen Impfstoffen impfen.

Noch unübersichtlicher werde die Situation dadurch, dass einige Kassen die Grippeimpfung für alle Versicherten, andere aber nur bis zum 18. Lebensjahr bei Patienten ohne erhöhte gesundheitliche Gefährdung erstatten. In diesen Fällen dürfe der Arzt den Impfstoff nicht aus seinem Vorrat nutzen, sondern müsse für jeden Patienten ein eigenes Rezept ausstellen. „Dieser unnötige Bürokratismus ist ein Riesenhindernis auf dem Weg zu besseren Impfraten und gehört abgeschafft“, fordert der BVKJ-Präsident. Ärzte müssten im Rahmen der Therapiefreiheit die Impfstoffe selbst auswählen können. Dazu müssten die Rabattverträge abgeschafft werden, die teilweise noch bis nach 2020 liefen.

Die Verträge hätten einen weiteren Nachteil: Wie schon in den vergangenen Jahren, komme es auch aktuell wieder zu Lieferengpässen. „Wir können dann unsere Patienten, viele von ihnen behinderte Kinder, die auf den Grippeschutz dringend angewiesen sind, nicht impfen und setzen sie dem Risiko aus, schwer krank zu werden“, betont Fischbach. „Wir fordern daher die gesetzlichen Kassen auf, die Rabattverträge zu beenden und der Einschätzung des Bundesministeriums für Gesundheit zu folgen, welches Rabattverträge für unzulässig hält.“