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6. Dezember 2017

AOK-Qualitätsmonitor

Totbringende „Gelegenheitschirurgie"

 
Berlin (pag) – Viele frühzeitige Todesfälle nach chirurgischen Eingriffen ließen sich vermeiden, wenn sich die Krankenhäuser an die gesetzlichen Mindestmengen halten würden. Der AOK Bundesverband will solchen Häusern jetzt Einhalt gebieten und ihnen bei Missachtung der Vorgaben den Geldhahn zudrehen. Das kündigt der AOK-Vorstandsvorsitzende Martin Litsch bei der Vorstellung des Qualitätsmonitors an.

Martin Litsch (© pag / Fiolka)
„In Deutschland gibt es immer noch viel zu viele Kliniken, die nur hin und wieder mal eine komplizierte Krebs-Operation durchführen“, sagt Prof. Thomas Mansky von der Technischen Universität Berlin als einer der Autoren des Qualitätsmonitors. Beispielhaft nennt Mansky Darmkrebs-OPs. Pro Jahr gibt es rund 55.000 Fälle, in denen der Chirurg sein Skalpell zücken muss. Die Sterblichkeit liegt derzeit bei sechs Prozent. Würde der Gesetzgeber eine Mindestmenge von 82 Eingriffen jährlich einführen, könnte sich die Rate auf 5,4 Prozent reduzieren. Hört sich zwar nach einer geringen Verbesserung an, bewahrt aber 280 Menschen davor, auf dem OP-Tisch zu sterben. Knapp 500 Häuser führen diese OP im Schnitt nur 23 Mal pro Jahr durch, weitere 370 rund 50 bis 72 Mal.

„Das kann man nicht können, wenn man es so selten macht“, sagt Mansky.
Als „Gelegenheitschirurgie“ bezeichnet der AOK-Chef diese Umstände. „Das Problem lässt sich nur durch die Einführung und konsequente Durchsetzung von OP-Mindestmengen in den Griff bekommen.“ Die AOK werde daher die Forderung nach Einführung von Mindestmengen für komplizierte OPs bei Lungenkrebs und Brustkrebs in den Gemeinsamen Bundesausschuss einbringen. Im Falle von Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsen-Krebs will sich die Kasse, die rund 26 Millionen Versicherte hat, für eine Erhöhung der bestehenden Mindestmengen ein.

Zudem zieht die AOK laut Litsch jetzt ein Programm auf, dass den Druck auf die Kliniken zur konsequenten Umsetzung der bestehenden Mindestmengen erhöhen soll: „Krankenhäuser, die die Vorgaben nicht einhalten und bei denen kein Ausnahme-Tatbestand vorliegt, erhalten von der AOK im Sinne der Patientensicherheit keine Vergütung mehr für diese Eingriffe“, kündigt der Kassenchef an.
Digitorial

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