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Trotz Corona: Handhygiene lässt nach

Berlin (pag) – Hände nass machen, 20 Sekunden einseifen, abwaschen und abtrocknen – seit der Covid-19-Pandemie kann jedes Kind dieses Ritual herunterbeten. Dennoch scheint sich eine gewisse Handwasch-Müdigkeit eingestellt zu haben, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) berichtet.

Zwar wissen 91,8 Prozent der Bevölkerung um die Bedeutung des Händewaschens, allerdings setzen nur 81,4 Prozent die Empfehlung des 20-sekündigen Reinigens um. Im März lag der Anteil noch bei 96 Prozent. Das zeigen aktuelle Ergebnisse des Covid-19 Snapshot Monitorings (COSMO) der Universität Erfurt, an dem die BZgA als Kooperationspartner beteiligt ist. „Durch gründliches Händewaschen mit Seife für mindestens 20 Sekunden lassen sich die meisten Krankheitserreger wirksam entfernen“ erinnert BZgA-Leiterin Prof. Heidrun Thaiss. Um die Bevölkerung wieder für das Thema zu sensibilisieren, startet die Behörde Ende Oktober die Plakatkampagne „Wo waren deine Hände heute?“.

„Da das Leben für viele von uns glücklicherweise nicht nur in den eigenen vier Wänden stattfindet, braucht es deshalb auch mehr öffentliche Toiletten, die uns saubere Räumlichkeiten und gefüllte Seifenspender anbieten“, fordert Kordula Schulz-Asche, Berichterstatterin für Infektionsschutz bei der Grünen-Fraktion im Bundestag. Die Berliner Krankenhausgesellschaft erinnert daran, dass Händewaschen nicht nur vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt, sondern auch vor Atemwegs- und Durchfallerkrankungen sowie nosokomialen Infektionen, sogenannten Krankenhausinfektionen.

Während ein Teil der Bevölkerung das Händewaschen nicht ernst genug nimmt, führe die Angst vor Ansteckung bei anderen zu einem krankhaften Hygieneverhalten. Darauf weist die Kaufmännische Krankenkasse hin. Auch bestehende Zwangsstörungen könnten dadurch vorangetrieben werden. Bereits vor der Pandemie hat es laut einer Erhebung der Kasse einen enormen Anstieg bei zwanghaftem Händewaschen gegeben, von 2009 bis 2019 um 82 Prozent.

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