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11. Juli 2018

Vorsicht Wechselwirkung!

 
Berlin (pag) – Die Barmer warnt vor den Gefahren durch Mehrfachmedikation. Die Patienten müssten entsprechend geschützt werden. Deswegen hat die Krankenkasse mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe das Projekt AdAM ins Leben gerufen.

Bei der Einnahme mehrerer verschiedener Medikamente kann die Gefahr der Wechselwirkungen steigen. Darauf weist die Barmer-Krankenkasse in ihrem Arzneimittelreport 2018 hin. Demnach leiden rund 5,4 Millionen Deutsche an drei chronischen Erkrankungen, 23,3 Millionen sogar an fünf oder mehr. Das heißt, sie nehmen in der Regel auch mehrere Medikamente ein. Der Fachmann nennt das Polypharmazie. Und die kann böse Folgen haben, wie die Krankenkasse ausführt: „Jeder vierte Barmer-Versicherte ab 65 Jahren erhielt im Jahr 2016 ein von Experten nicht für diese Altersgruppe empfohlenes Arzneimittel (25,9 Prozent).“ Ein Beispiel sei Methotrexat, ein Arzneistoff für die Krebs- und Rheumatherapie. Allein mehr als 1.400 Barmer-Versicherte hätten das Mittel erhalten, obwohl es bei diesen Patienten wegen gleichzeitig stark eingeschränkter Nierenfunktion nicht eingesetzt werden dürfte.

Den Ärzten will die Krankenkasse die Verantwortung aber nicht in die Schuhe schieben. Prof. Daniel Grandt, Autor des Arzneimittelreports und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am Klinikum Saarbrücken, verdeutlicht: „Hausärzte müssen die Gesamtmedikation ihrer Patienten, also auch die von Fachärzten verordneten Arzneimittel, beurteilen. Dass der Arzt hier die Risiken ohne Hilfsmittel immer korrekt einschätzen kann, ist schlichtweg nicht realistisch.“ Im Gegenteil, im Versorgungsalltag sei es für Ärzte oft ausgesprochen schwierig, über alle Arzneimittelverordnungen einer Patientin oder eines Patienten Bescheid zu wissen.

Dr. Christoph Straub, Vorstandvorsitzender der Barmer GEK (© pag/Fiolka)
Laut Barmer spielen auch andere Faktoren eine Rolle: Fehlende Verfügbarkeit wichtiger Informationen für Behandlungsentscheidungen, Sprachbarrieren oder auch unvollständige Medikationspläne. Um möglichen Gefahren vorzubeugen, fordert Barmer-Vorstandsvorsitzender Prof. Christoph Straub: „Die Patientinnen und Patienten müssen besser vor diesen Risiken geschützt werden.“ Aus diesem Grund hat die Barmer in Westfalen-Lippe mit der dortigen Kassenärztlichen Vereinigung das Projekt AdAM (Anwendung für digital unterstütztes Arzneimitteltherapie-Management) ins Leben gerufen. Das Prinzip: Hausärzte erhalten Daten zur Arzneimitteltherapie, die Verordnungen aller Ärzte umfassen.
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: BKK-Selbsthilfetag 2018 am 27.09.2018 in Düsseldorf
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Cover Das ist Krebs

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