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Deutschland hinkt bei der Nachsorge hinterher

Berlin (pag) – Während Deutschland bei der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten eine Vorreiterrolle einnimmt, mangelt es in der Bundesrepublik an Strukturen für eine gute Nachsorge. Das bemängelt die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) kürzlich auf der Pressekonferenz anlässlich des alljährlichen Weltschlaganfalltags am 29. Oktober.

Prof. Armin GrauProf. Armin Grau„Trotz effektiver Therapieoptionen bleiben nach einem Schlaganfall häufig chronische Probleme wie Lähmungserscheinungen und Sprachstörungen zurück“, sagt Prof. Armin Grau von der DSG mit Blick. Etwa zwei Drittel aller Betroffenen behielten nach einem Schlaganfall Beeinträchtigungen. „Im ersten Jahr nach einem Schlaganfall entwickeln rund 30 Prozent der Patienten Ängste oder Depressionen, zehn Prozent zeigen einen relativen kognitiven Abbau.“ Weitere häufige Komplikationen sind Grau zufolge epileptische Anfälle, Stürze, Spastiken in den gelähmten Gliedern, Schmerzen und Inkontinenz. Die Pflegebedürftigkeit verursache zudem oft Konflikte mit den pflegenden Angehörigen.

Eine erfolgreiche Nachsorge könne dazu beitragen, all diese Folgen zu vermeiden oder besser zu behandeln als bisher. Dafür mangele es in Deutschland jedoch an den erforderlichen Strukturen, kritisiert Grau. Mithilfe eines interdisziplinären Nachsorge-Netzwerks ließe sich die Situation der Betroffenen verbessern: „Hausärzte, Kliniken und eine spezielle Schlaganfall-Pflegekraft – eine sogenannte Stroke Nurse – sollten intensiv zusammenarbeiten“, fordert er. Der Stroke Nurse fielen dabei wichtige koordinierende Aufgaben zu. „Sie beugt möglichen Komplikationen vor, indem sie Zielabweichungen – etwa beim Blutdruck – systematisch erfasst und für eine geeignete Behandlung in Zusammenarbeit mit den Ärzten sorgt.“