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2. Deutscher Patientenpreis geht an Projekt zur Delirvermeidung

Bei älteren Krankenhaus-Patienten das gefürchtete Delir verhindern, das ist das Ziel der ehrenamtlichen Patientenbegleiter in der Klinik Sindelfingen um Prof. Axel Prokop. Das Projekt zur Vermeidung von Verwirrtheitszuständen erhält den 2. Deutschen Patientenpreis.

v.l.n.r.: Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen; Dr. Karl-Michael Reinauer, Chefarzt Altersmedizin, Zentrum für Alterstraumatologie, Klinikverbund Südwest; Prof. Gerd Geißlinger, Direktor, Institut für Klinische Pharmakologie, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main; Gisela Klatt, Präsidentin, Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose; Andreas Lebert, Herausgeber, ZEIT Doctor; Prof. Axel Prokop, Chefarzt Unfallchirurgie, Zentrum für Alterstraumatologie, Klinikverbund Südwest; Lisa Keller, Koordinatorin, Verein FISH; Prof. Jochen Maas, Vizepräsident, House of Pharma & Healthcare; Manfred Koebler, Vorsitzender, Kreisseniorenrat BöblingenEin Großteil der stationär behandelten Patienten ist über 70 Jahre alt und erheblich durch Begleiterkrankungen gefährdet. Häufig erleiden diese Patienten während ihres Klinikaufenthalts ein Delir – 15 bis 25 Prozent der Patienten sterben sogar an den Folgen. Ansprache, Zuwendung und Beschäftigung verringern signifikant dieses Risiko. Deshalb wurde ins Sindelfingen (Baden-Württemberg) das Projekt zur Vermeidung von Delir auf Initiative des Zentrums für Alterstraumatologie und des Kreisseniorenrates gestartet. Sein zentraler Bestandteil: ein Besuchsdienst, in dem Laienhelfer ausgesuchte Patienten täglich betreuen. Sie beschäftigen diese etwa eine Stunde pro Tag, begleiten sie im Haus, erklären, lesen vor, unterhalten sich, hören zu und geben Rückhalt.

Die Patientenbegleiter, alles Freiwillige, werden von der Klinik geschult, sie nehmen regelmäßig an Teamsitzungen teil und erstellen von jedem Aufenthalt einen Berichtsbogen. Wöchentlich gibt es strukturierte Besuchspläne. Nach einer sechsmonatigen Pilotphase in der Unfallchirurgie Sindelfingen wurde das Projekt auf 14 Stationen in vier Krankenhäusern des Verbundes ausgeweitet. Insgesamt sind bisher 4031 Patienten begleitet worden, keiner von ihnen erlitt den Angaben zufolge ein Delir bis zur Entlassung. Auffällig war auch, dass die Patienten das Pflegepersonal weniger in Anspruch nahmen, das somit entlastet wurde.

Der Deutsche Patientenpreis am Vorabend der Jahrestagung House of Pharma & Healthcare ist zum zweiten Mal in der Goethe-Universität in Frankfurt am Main verliehen worden. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis, den das House of Pharma & Healthcare gemeinsam mit ZEIT Doctor sowie dem Verband forschender Pharma-Unternehmen und dem Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose als Partner auslobt, will Innovationen würdigen, die die Gesundheitskompetenz fördern.