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31. August 2018

Bürger im Ministerium – Minister vor Bürgern

 
Hereinspaziert, hereinspaziert: Das Bundesgesundheitsministerium hat Ende August zum Tag der offenen Tür eingeladen. Im Foyer und auf dem Außengelände informieren sich die Besucher über Gesundheitsthemen, machen Yoga-Übungen, lernen Herzmassage oder lassen sich auf Diabetes testen. Und wer will, folgt dem Gesundheitsminister in die Bundespressekonferenz, wo er sich den Fragen der Bürger stellt.

Ins "Teddybärkrankenhaus" konnten Kinder ihre Puppe oder ihr Lieblingsstofftier mitbringen. (© Bildquelle: BMG/Zahn (photothek))
„Können Sie Ihre Finger greifen?“, fragt die Yoga-Lehrerin, die ihre beiden Arme hinter dem Rücken verschränkt hat. Ja, bei einigen sieht das schon ganz gut aus. Beim Tag der offenen Tür im Bundesgesundheitsministerium ist nicht nur die pure Berieselung angesagt. Nein, die Besucher sollen sich auch aktiv beteiligen. So wie Sabine Ziem-Milojevic, ihr Mann Mirko und ihre vierjährige Tochter Antonia. „Ein bisschen anstrengend war es schon“, findet das Mädchen. Als kleine Stärkung reicht ihr der Papa einen Apfel. Der Aktionstag gefällt der Familie sichtlich. Sie haben unter anderem das Teddybärkrankenhaus und den Stand der Aktion „Kinder stark machen“ besucht. „Wir sind schon seit heute Vormittag hier“, erzählt Sabine Ziem-Milojevic. Was bietet sich da besser an, als beim Yoga zu entspannen?

„Offen gesagt“ lautet das Motto des Tags der offenen Tür. An zahlreichen Stationen verschiedener Aussteller probieren die Besucher aus, stellen Fragen und erfahren hautnah viel über ihre eigene Gesundheit. So kann man zum Beispiel beim Stand des Robert Koch-Instituts seinen Body-Mass-Index ermitteln. Hochrangige Mitarbeiter führen die Gäste durch das Haus, die Maus und der Elefant sorgen für Stimmung, vor dem Eingang schenkt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung alkoholfreie Cocktails aus. Im Präventionsbus der Charité können Besucher ihren Impfpass checken lassen. Der Hausherr, Gesundheitsminister Jens Spahn, ist natürlich auch vor Ort. Der CDU-Politiker zeichnet fünf Nachwuchskräfte aus der Alten- und Krankenpflege aus. Sie haben mit ihrer ganz persönlichen Geschichte an der Aktion „#GutePflege. Gut für uns Alle.“ teilgenommen.

Die Reise ins Ich

Tag der offenen Tür 2018 im Bundesministerium für Gesundheit (© Bildquelle: BMG/Zahn (photothek))
Wie sieht eigentlich das Innere unseres Körpers aus? Das erfahren die Besucher an der Station Sehen des Sinnesparcours. Dort bekommen sie eine Virtual-Reality-Brille aufgesetzt und schon beginnt die Reise ins Ich. Das Innere einer Zelle, ein Blick auf die Knochenstruktur, eine Fahrt durch die Blutbahn, sogar ein Abstecher ins Hirn stehen auf dem Programm der virtuellen Reise. Sehr beeindruckend, ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt durch den menschlichen Organismus. Aber nicht alle sind zu 100 Prozent zufrieden. Eine Frau legt die Brille ab und sagt: „Das Blöde ist nur, dass nichts erklärt wird.“

Im Diabetes-Mobil piekst derweil Nesrin Ergün Freiwillige und wertet die Ergebnisse aus. „83“, verrät die Diabetes-Beraterin einem jungen Mann seinen Blutzuckerwert. „Das ist gut.“ Sie fragt nach, ob die Teilnehmer Diabetes-Fälle in der Familie haben und wann sie das letzte Mal gegessen haben. „Wir hatten einige Leute da, die schlecht eingestellt sind. Denen habe ich die Empfehlung ausgesprochen, dass sie sich in die diabetologische Behandlung begeben sollen.“ Sie gibt außerdem Präventionstipps, rät zur gesunden Ernährung und zu Bewegung.

Kuscheltiere in Behandlung

Röntgenstation für Kuscheltiere (© Bildquelle: BMG/Zahn (photothek))
Ein paar Schritte weiter ist ein Röntgen-Gerät aufgestellt, in dem ganz besondere Patienten untersucht werden: Kuscheltiere. „Wir spielen mit den Kindern einen Arztbesuch durch – mit dem Ziel, dass die Kinder weniger Angst vor dem Arztbesuch haben“, erläutert Jorinde Weide das Prinzip, „sie sind quasi die Eltern ihres Kuscheltiers.“ Die Erfolgsquote ist sehr gut, denn: „viele kommen wieder“. Tränen fließen nicht, wenn der wuschelige Liebling der Kleinen untersucht wird. Beim Teddybärkrankenhaus handelt es sich um eine studentische Arbeitsgemeinschaft der Charité.

Bürgerpressekonferenz mit Jens Spahn

Für Jens Spahn geht es noch weiter. Die Bundespressekonferenz hat sich für diesen Tag in die Bürgerpressekonferenz verwandelt. Und so stellen nicht die Journalisten dem Gesundheitsminister Fragen, sondern Ärzte, Pflegekräfte und am Thema Gesundheit Interessierte. Kritisch, aber gesittet, lässt sich die Atmosphäre der rund 70-minütigen Befragung zusammenfassen. Spahn scheut sich nicht vor kontroversen Aussagen. „Es ist ja niemand gezwungen, Kassenarzt zu werden“, entgegnet er einer Hausärztin, die über den Arbeitsaufwand klagt, der durch die geplanten fünf zusätzlichen Sprechstunden im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) noch größer werde. Sie wünscht sich außerdem die Aufhebung der Budgetierung. Nicht mit Spahn – der will an diesem System festhalten. Anderweitig befürchtet er eine Mengenausweitung. „Als es völlig unbudgetiert war, wurde an manchen Stellen vielleicht mehr gemacht, als wirklich nötig war“, meint er. Und Mediziner, die ohnehin bereits 25 oder mehr Sprechstunden anbieten, bräuchten sich vor dem TSVG nicht zu fürchten. Der Minister will diejenigen in die Pflicht nehmen, die weniger anbieten.

Auch zu den möglichen Auswirkungen der vom Bundesgesundheitsministerium festgesetzten Personaluntergrenzen von Pflegekräften findet er klare Worte, nämlich wenn die Kliniken die Vorgaben nicht umsetzen. „Dann werden Abteilungen geschlossen werden müssen.“ Für Intensivstationen etwa gilt demnächst eine 2:1-Betreuung – auf zwei Patienten kommt mindestens eine Pflegekraft. Für einige Häuser sicherlich eine große Herausforderung. Spahn: „Ich bin gespannt, ob alle Intensivstationen in der Lage sind, diesen Schlüssel zu halten und wie viele möglicherweise vom Netz gehen werden. In manchen Regionen wird es Debatten nach sich ziehen.“

Auch Sterbehilfe ist Thema. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) darf Menschen in extremen gesundheitlichen Notsituationen die Ausgabe von selbsttötenden Medikamenten nicht verwehren, hat im vergangenen Jahr das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Spahn wird gefragt, warum er sich gegen diese Entscheidung stelle und dass BfArM solche Anfragen ablehnen soll: „Heißt das, dass Sie rechtskräftige Urteile missachten?“ Er nehme das Urteil sehr wohl ernst, es sei aber nur eine Einzelfallentscheidung, sagt Spahn. Und weiter: „Es geht um die Frage, ob der Staat offiziell Medikamente oder Mittel zur Selbsttötung zur Verfügung stellt.“ Eine Vorstellung, mit der er sich offensichtlich nicht anfreunden kann. Der Minister will die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abwarten.

Eine andere Frage dreht sich um das umstrittene DRG-Fallpauschalensystem. Eine Zuhörerin will wissen, ob Krankenhäuser nicht Einrichtungen der Daseinsvorsorge sein sollen, anstatt wie Wirtschaftsunternehmen zu handeln. Am DRG-System will Spahn festhalten. Davor seien Patienten viel zu lange im Krankenhaus gewesen, ohne wirklich gesünder zu werden. Auch Krankenhäuser hätten eine Verpflichtung zur Effizienz. „Die arbeiten mit Ihrem Geld“, wendet er sich an das Publikum.
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: BKK-Selbsthilfetag 2018 am 27.09.2018 in Düsseldorf
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Digitorial

Literaturtipps
Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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