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11. September 2018

Erster Deutscher Patientenpreis: Innovation für mehr Therapietreue ausgezeichnet

 
Etwa die Hälfte aller Patienten nimmt die verordneten Medikamente nicht regelmäßig ein. Um dieses Problem zu beheben, ist ein Modellvorhaben der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen ausgezeichnet worden. Es orientiert sich am Prinzip der Wirkstoffauswahl.

Die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) hat den Deutschen Patientenpreis 2018 für die beste Innovation zur Erhöhung der Therapietreue von Patienten gewonnen. Der gemeinsam vom House of Pharma & Healthcare und der Zeitschrift ZEIT Doctor erstmals ausgelobte Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

V.l.n.r.: Claudia Wüstenhagen (Redaktionsleiterin der Zeitschrift ZEIT Doctor), Sabine Reinstädler (Geschäftsführerin von fischerAppelt), Stefan Grüttner (Hessischer Staatsminister für Soziales und Integration), Birgit Fischer (vfa-Hauptgeschäftsführerin), Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz (Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt/Main), Prof. Jochen Maas (Vizepräsident von House of Pharma & Healthcare e.V.), Monika Koch (stellvertrende Vorsitzende des sächsischen Apothekerverbandes), Stefan Fink (Vorstandsvorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes). (© Andreas Henn)
Etwa die Hälfte aller Patienten halten sich nicht daran, die ihnen verordneten Medikamente regelmäßig einzunehmen. Das führt jedes Jahr zu Tausenden vermeidbaren Krankenhauseinweisungen und Todesfällen. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, die viele Medikamente gleichzeitig einnehmen. „Die preisgekrönte Initiative zeigt einen vorbildlichen Weg auf, um die Therapietreue zu verbessern und Arzneimittelrisiken zu verringern,“ sagt Prof. Gerd Geißlinger, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie und Mitglied der Jury. Claudia Wüstenhagen, Redaktionsleiterin der Zeitschrift ZEIT Doctor und Mitglied der Jury, lobt ebenfalls das Projekt: „ARMIN verbessert die Orientierung für Patienten und kann sie ermächtigen, in der Therapie zum eigenverantwortlichen Akteur zu werden.“

Patient kennt den Wirkstoff seines Medikaments


ARMIN ist ein Modellvorhaben nach Paragraph 63 des Sozialgesetzbuches SGB V, das die Kassenärztlichen Vereinigungen und Apothekerverbände der Bundesländer Sachsen und Thüringen gemeinsam mit der AOK plus seit 2014 verfolgen. Es orientiert sich am Prinzip der Wirkstoffauswahl: Der Arzt verordnet dem Patienten einen Wirkstoff und kein Fertigarzneimittel. Indem der Patient den Wirkstoff kennt, lässt er sich nicht von verschiedenen Handelsnamen irritieren. Die Auswahl des Wirkstoffes trifft der Arzt aus einem von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erarbeiteten Medikationskatalog für eine leitliniengerechte, patientenorientierte und wirtschaftliche Versorgung.

Daran schließt sich ein Medikationsmanagement an, für das Hausarzt und Stammapotheker des Patienten gemeinsam verantwortlich sind. Es ist das Herzstück von ARMIN und richtet sich an multimorbide Patienten, die mindestens fünf Wirkstoffe dauerhaft einnehmen. Nachdem Arzt und Apotheker gemeinsam mit dem Patienten alle Wirkstoffe, die dieser einnimmt – einschließlich derjenigen aus seiner Selbstmedikation – erfasst haben, prüfen sie eventuelle Wechselwirkungen, Doppelverordnungen und Fehlgebräuche. Sie stimmen dann untereinander und mit dem Patienten den Medikationsplan ab, der Wirkstoffe, Einnahmezeiten, Grund der Einnahme und eventuell weitere Hinweise übersichtlich darstellt. Dieser Medikationsplan ist auf einem Server im sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen hinterlegt und kann so von Arzt und Apotheker jederzeit eingesehen und angepasst werden. Der Patient erhält neben einem Ausdruck dieses Plans ein persönliches Tagebuch, das sowohl der Information als auch der Selbstbeobachtung und dem Austausch mit Arzt und Apotheker dient.

Patient soll aktiver Mitgestalter seiner Therapie sein

Für den Deutschen Patientenpreis konnten sich alle in Deutschland ansässigen Personen, Institutionen und Unternehmen, die die Bildung und Aufklärung von Patienten wie etwa durch technologische Neuerungen oder innovative Maßnahmen der Patientenkommunikation fördern, bewerben. Damit sollen Initiativen und Innovationen gewürdigt werden, die die Patienten-Adhärenz erhöhen.

Die Faktoren, die Nicht-Adhärenz begünstigen, sind vielfältig. Zu ihnen gehören ein geringes Bildungsniveau, eine lückenhafte Gesundheitserziehung, hohes Alter, körperliche Einschränkungen, Sprachschwierigkeiten und kulturelle Unterschiede. Hinzu kommt, dass sich Ärzte oft zu wenig Zeit für das Gespräch mit ihren Patienten nehmen können. Die Preisinitiatoren wollen diese Probleme überwinden und Menschen, die medizinische Hilfe nötig haben, motivieren, aktive Mitgestalter ihrer Therapie zu werden.
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: BKK-Selbsthilfetag 2018 am 27.09.2018 in Düsseldorf
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Cover Das ist Krebs

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