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29. Januar 2018

Gesundheit im digitalen Zeitalter

 
Wie kann das Management der Gesundheitsversorgung im Zuge der Digitalisierung verbessert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich der zweitägige Kongress des Bundesverbandes Managed Care (BMC).

Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit (© pag/Fiolka)
„Die Digitalisierung ist ein Gewinn für unser Gesundheitswesen. Schon heute verbessern digitale Anwendungen wie die Telemedizin die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen, sie schaffen die Voraussetzungen für bessere Diagnoseverfahren und maßgeschneiderte Behandlungen von Krankheiten“, sagt Lutz Stroppe, Staatssekretär des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), in seiner Begrüßungsrede. Die Digitalisierung führe jedoch gleichfalls zu immer neuen Abgrenzungsfragen, denn nicht alles, was technologisch machbar sei, sei auch ethisch vertretbar und zielführend. Vier vom BMG geförderte Projekte untersuchten gegenwärtig die Wirkungen einer zunehmenden digitalen Gesundheitsversorgung auf unser Bild von der Würde des Menschen, auf Selbstbestimmung und Solidarität.

Der Vorstandsvorsitzende des BMC, Volker Amelung, weist darauf hin, dass das Gesundheitssystem nicht den Anschluss an diese digitale Transformation verpassen dürfe. „Einerseits zeichnet sich der Teilbereich der Medizin durch eine ausgewiesen starke Innovationskraft aus“, sagt er. „Andererseits steht das Gesundheitswesen jedoch vor der Herausforderung, sich an diese neuen Strukturen anzupassen.“ Es fehle an wichtigen Stellen an Handlungsdruck und Transparenz, althergebrachte Monopole träfen auf Akteure, die keinen Veränderungswillen und -bedarf mit sich brächten.

Digitale versus holistische Medizin

Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx lenkt in seiner Keynote den Blick des Publikums über den eigenen Tellerrand. Kritisch setzt er sich etwa mit Trends wie Ambient Assisted Living und Wearables auseinander. Letztere hätten eine „Spaltungstendenz“: Diejenigen, die fit seien, würden sich für die Vitalparameter interessieren, diejenigen, die es nicht seien, wollten es auch nicht wissen. Stichwort Ambient Assisted Living: AAL steht für Konzepte, Produkte und Dienstleistungen, die neue Technologien in den Alltag einführen um die Lebensqualität für Menschen in allen Lebensphasen, vor allem im Alter, zu erhöhen. Die Mehrheit der Bürger erachte solche Assistenzsysteme für ältere Menschen als sinnvoll, die wenigsten aber könnten sich Derartiges für sich selbst vorstellen.

Das Versprechen der digitalen Medizin, mehr Gesundheit durch Daten zu ermöglichen, sieht er kritisch. „Daten sind kein Wissen, diesen entscheidenden Unterschied zu verstehen, fällt uns wahnsinnig schwer“, sagt Horx. Als Gegentrend macht er beispielsweise die amerikanische „Chosing Wisely“-Initiative aus, die vor unnötigen oder sogar schädlichen medizinischen Maßnahmen warnt. Der Zukunftsforscher propagiert einen ganzheitlichen Ansatz – er spricht von holistischer Medizin. Darunter subsummiert er städtebauliche Maßnahmen für „Health Cities“ ebenso wie eine neue Krankenhausarchitektur, die nicht deprimierend auf die Patienten wirkt. Gemeinsam ist allem, dass der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt steht: „Zukunft entsteht, wenn Beziehungen gelingen.“

Arzneimitteltherapiesicherheit im digitalen Zeitalter

Dr. Amin-Farid Aly, Bundesärztekammer (© pag/Fiolka)
Ein Forum des BMC-Kongresses beschäftigt sich mit der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und fragt, inwiefern die Digitalisierung dazu beitragen kann, die AMTS zu verbessern. „Ein Instrument dafür ist der bundeseinheitliche Medikationsplan“, erläutert Dr. Amin-Farid Aly, Referent Telematik bei der Bundesärztekammer. Vor allem wenn er in elektronischer Form vorliegen werde, könne er die Medikationsanamnese vereinfachen und Informationsverluste bei Wechsel zwischen Haus-, Fach- und Klinikärzten vermeiden. „Der Plan in seiner jetzigen Form ist allerdings eher auf die Leistungserbringer ausgerichtet“, betont Aly. „Für Patienten ist er nur schwer verständlich.“ Zum Beispiel sorgten nicht einheitliche Angaben bei der Wirkstoffstärke sowie die Formulierungen bei Darreichungsform und Dosierung für Verwirrung bei den Betroffenen.

Frank Bausch, Leiter Versorgungsforschung bei Vilua Arvato CRM Solutions (© pag/Fiolka)
Welchen Nutzen Daten aus dem Versorgungsalltag bringen können, zeigt Frank Bausch, Leiter Versorgungsforschung bei Vilua Arvato CRM Solutions. In einer Studie untersuchten er und sein Team anhand der Daten von drei Millionen Versicherten, ob und welche Medikamente zur Prävention von Vorhofflimmern eingesetzt wurden. Sie konnten zeigen, dass ein hoher Prozentsatz nicht leitliniengerecht therapiert wurde: 45 Prozent der Patienten erhielten nach einer Embolie oder einem Schlaganfall im auf das Ereignis folgenden Quartal keine Therapie, 35 Prozent sogar im ersten Jahr nicht. Betroffen seien insbesondere jüngere Patienten gewesen. Viele derjenigen, die keine Therapie erhielten, mussten schneller wieder in eine Klinik eingeliefert werden als diejenigen, die nach der Leitlinie behandelt wurden.
Digitorial

Literaturtipps
Die stille Macht der Mikroben

"Die stille Macht der Mikroben. Wie wir die kraftvollsten Gesundmacher bei der Arbeit unterstützen können." von Alanna Collen
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Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz" am 19.02.2018 in Berlin
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