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7. September 2018

Innolab 2018: Digitalisierung führt zu selbstbestimmter Rolle des Patienten

 
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird für Patienten in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. So ermöglicht sie eine passgenauere Diagnostik und Therapie. Zwei Projektbeispiele haben die Besucher auf dem Innolab 2018 besonders begeistert.

Auf dem Innolab-Kongress in Bochum diskutierten über 400 Wissenschaftler, Heilberufler, Unternehmer und Politiker über digitale Innovationen, die gesundheitliche Versorgung von morgen und die Zukunft der Arbeit. „Digitalisierung findet statt und hat mehr Licht als Schatten“, sagte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Dr. Ralf Brauksiepe (CDU).
Doch wie müssen Patienten im Zuge der Digitalisierung berücksichtigt werden? „Aktionen müssen darauf ausgelegt sein, in der inhomogenen Gruppe der Patienten niemanden zurückzulassen“, forderte Manuela Anacker vom Sozialverband VdK Nordrhein-Westfalen auf dem Kongress. „Für eine Digitalisierung im Gesundheitswesen brauchen wir eine höhere Vermittlung von digitaler Bildung“, ergänzte Prof. Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen.

V.l.n.r.: Holger Steudemann (Geschäftsführer der Agentur WOK); Prof. Anne Friedrichs (Präsidentin der Hochschule für Gesundheit Bochum) Prof. Andreas Pinkwart (Wirtschaftsminister des des Landes Nordrhein-Westfalen), Birgit Fischer (Hauptgeschäftsführerin des vfa) sowie Prof. Josef Hilbert (Geschäftsführender Direktor des Instituts Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen). (© Agentur Wok)
Einer auf dem Kongress vorgestellten Studie zufolge sagen 83 Prozent von 1.000 Befragten, dass das Gesundheitswesen in Deutschland mehr Digitalisierung benötigt. 56 Prozent glauben, dass die Digitalisierung den Zugang zur Versorgung erleichtert. 33 Prozent sind der Meinung, dass die Digitalisierung ihre Gesundheit verbessern kann. Auf der Veranstaltung betonte die Professorin Anne Friedrichs, Präsidentin der Hochschule für Gesundheit Bochum, die Digitalisierung sei eine neue Möglichkeit, die Gesundheitsversorgung zu verbessen.

Digitalisierung ermöglicht passgenauere Diagnostik und Therapie

Ein Fazit des Kongresses: In Zukunft werden präventive Maßnahmen, Diagnostik und Therapie passgenauer auf einzelne Patienten zugeschnitten sein können, weil über Daten und Kooperationen mehr und bessere Informationen zur Verfügung stehen. Die Digitalisierung führe zu einer selbstbestimmten Rolle der Patienten. Große Potenziale der Digitalisierung liegen außerdem in der Entlastung bei Routinearbeiten – dies schafft mehr Raum für die individuelle Begleitung und Versorgung der Patienten. Generell werden Expertennetzwerke und personalisierte Medizin die Qualität der Patientenversorgung verbessern.

„Digitalisierung ist ein Game Changer mit großen Chancen, Menschen in unterschiedlichen sozialen und regionalen Situationen am medizinischen Fortschritt teilhaben zu lassen“, sagte Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa). „Dafür brauchen wir mehr Offenheit für Innovationen. Und diese müssen über das Stadium von Pilotprojekten hinauskommen“, so Fischer vor dem Kongress. Ihr zufolge erstrecken sich die Potenziale digitaler Anwendungen über alle Phasen der Patientenversorgung – von der Prävention über die Diagnose bis hin zur Therapietreue. So ließen sich beispielsweise die Patientensicherheit und Versorgungsqualität weiter steigern, wenn etwa chronische Patienten weiterführende digitale Informations- und Unterstützungsangebote zu ihrer Therapie oder ihrem Arzneimittel erhalten. Ihr Resümee: „Der Kongress hat als Experimentierraum aufgezeigt, welches kreative Potential durch die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Forschung und Versorgung entsteht. Gleichzeitig wurden konkrete Ansätze und neue Plattformen für Kooperationen vorgestellt.“

Frühwarnsysteme zur Risikominimierung

Viele Kongressteilnehmer waren positiv überrascht, welche gesundheitsrelevanten Erkenntnisse heute über Daten gewonnen werden können und welche Lösungswege es gibt, Datensicherheit zu gewährleisten. Besonderes Interesse unter den Besuchern weckten auch die Frühwarnsysteme zur Risikominimierung sowie die Projektbeispiele – darunter zum Beispiel Avatar und die Plus-Initiative. Avatar ist ein audiovisuelles, individualisiertes Assistenzsystem, das als Therapieunterstützung bei kindlichen phonetisch-phonologischen Artikulationsstörungen zum Einsatz kommt. Die Plus-Initiative ist eine Allianz von Industrie-, Gesundheits- und Sozialpartnern zur Versorgung Suchtbetroffener, um Erkrankungen wie Hepatitis C adäquat zu behandeln.
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: BKK-Selbsthilfetag 2018 am 27.09.2018 in Düsseldorf
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Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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