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Männergesundheit im Fokus

Berlin/Köln (pag) – Im Vergleich zu Frauen nehmen Männer seltener Früherkennungsuntersuchungen wahr, leben oft ungesünder und gehen bei Problemen seltener zum Arzt. Ein Kongress hat sich mit dieser Problematik beschäftigt.

Dr. Heidrun Thaiss.Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), fordert mehr Geschlechtersensibilität im Gesundheitswesen. „Biologische und soziale Faktoren beeinflussen den Zugang zu Gesundheitsversorgung“, sagt sie. Mehr als die Hälfte aller Männer in Deutschland habe Schwierigkeiten damit, Gesundheitsinformationen zu finden und dadurch ihre Gesundheit zu fördern. Oft mangele es auch an der Zeit für Arztbesuche. „Online-Sprechstunden könnten eine bessere Alternative zur Vereinbarkeit sein“, sagt Thaiss. Zudem wolle das BZgA zielgruppenspezifische Gesundheitsinformationen bieten.

Informationen müssen qualitätsgesichert sein

Bereits knapp ein Drittel der Männer in Deutschland überwache die eigene Gesundheit und Fitness mit Hilfe von Apps, betont Thaiss. Die fünfte Bundeskonferenz Männergesundheit des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und der BZgA beschäftigt sich mit der Frage, ob ein gesundheitsbewusstes Leben von Männern vor allem durch digitale Angebote wie Fitnessprogramme, Ernährungs-Apps oder Ratgeber beeinflusst werden könnte. Laut Thaiss könnten digitale Gesundheitsangebote die Gesundheitskompetenz von Männern fördern. Doch auch die Risiken durch nicht qualitätsgesicherte Informationen oder exzessive Nutzung müssten bedacht werden. Dr. Andreas Waltering vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) weist darauf hin, dass digital aufbereitete Gesundheitsinformationen bereits jetzt schon 24 Stunden am Tag auf dem Smartphone, Desktop oder Tablet verfügbar sind: Etwa ein Viertel aller Bürger bereite den Arztbesuch mit Online-Informationen vor. Zudem stünden weltweit über 100.000 Apps im Bereich Health/Fitness zur Verfügung. Bei der Bereitstellung und Bewertung dieser Angebote bedürfe es einer genderspezifischen Weiterentwicklung.

Beispiele aus der Praxis

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) überbringt seine Botschaft auf der Konferenz per Video und erklärt, dass Männer weniger empfänglich für einen gesundheitsförderlichen Lebensstil seien als Frauen. „Das Gesundheitsverhalten von Männern braucht aktive Impulse“, sagt er. Die Möglichkeit der Digitalisierung müsse genutzt werden, um relevante und qualitätsgesicherte Gesundheitsinformationen „leicht verdaulich und niedrigschwellig“ anzubieten. In diesem Zusammenhang spiele das Nationale Gesundheitsportal, das ab Sommer 2020 allen Bürgern evidenzbasierte, neutrale und verständliche Gesundheitsinformationen zur Verfügung stellen will, eine große Rolle.

Auf der Konferenz werden auch konkrete Gesundheits-Websites, -Apps sowie Beratungsangebote per Mail oder Chat vorgestellt. Ein Beispiel ist die GeM-App: Durch ein individuelles Coaching soll dem Mann geholfen werden, seinen individuellen Lebensstil zu optimieren. Dabei werden auch das Stressmanagement und die körperliche Aktivität berücksichtigt. Mithilfe eines Anamnese-Fragebogens wird ein Gesundheitsprofil erstellt, danach erfolgt ein individuelles Coaching und anschließend wird der Zustand mithilfe eines Punktesystems regelmäßig überwacht. Ein weiteres Beispiel ist Moodpath – ein psychologischer Begleiter im Alltag. Durch ein niedrigschwelliges und selbstgeleitetes Screening soll eine psychopathologische Diagnostik vorbereitet werden. Die App stellt ihren Nutzern drei Mal täglich Fragen zum psychischen und körperlichen Wohlbefinden. Daraus wird eine Einschätzung generiert, ob eine depressive Episode vorliegt und es werden Feedbacks zu unterschiedlichen Problembereichen gegeben.

Weitere Informationen des Bundesgesundheitsministeriums finden Sie hier. Die BZgA bietet hier umfassende Informationen zum Thema.

Dr. Manfred Hubert.