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22. August 2017

Forschung

Neue Medikamente für Arthritis auf dem Markt

 
Eine in der EU neu zugelassene Wirkstoffgruppe für die Behandlung von Rheuma gibt Betroffenen neue Hoffnung. Der Grund: Derzeit auf dem Markt verfügbare Arzneien wirkten nur temporär oder würden gar nicht erst anschlagen, erläutern Experten im Vorfeld des 45. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) Anfang September.

Rheuma- Röntgenbild (© Pfizer Deutschland GmbH)
Ärzte empfehlen bei der Diagnose rheumatoider Arthritis innerhalb der ersten drei Monate mit einer Therapie zu beginnen, da den Gelenken ansonsten nachhaltiger Schaden droht. „Doch nicht jeder Patient verträgt die zur Verfügung stehenden Mittel oder erfährt durch die Medikamente eine zügige Verbesserung des Befindens“, sagt Prof. Dr. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der DGRh. Für Zuversicht sorgten deshalb derzeit zwei neue Medikamente, die in der EU zugelassen wurden und auf den Wirkstoffen Tofacitinib und Baricitinib basierten.

Neue Arzneien unterbinden Entzündungen

Die Wirkung der neuen Medikamentengruppe bestehe in der Hemmung spezieller Enzyme, den Janus-Kinasen 1 und 3, deren Überaktivierung dazu führe, dass Zellen ein abweichendes immunologischen Verhalten zeigten und dadurch Erkrankungen wie die rheumatische Arthritis entstünden. „Mit den neuen Wirkstoffen ist es gelungen, Entzündungsprozesse, die die Arthritis hervorrufen, auf zellulärer Ebene zu unterbinden“, erklärt Lorenz. Zudem belegten klinische Studien, dass die Medikamente bislang recht gut vertragen werden. „So sind diese Kinase-Inhibitoren die neuen Hoffnungsträger in der Rheumatologie – insbesondere für Patienten, bei denen auch die Biologika keine Wirkung zeigen“, erläutert der DGRh-Präsident. Ein weiterer Vorteil der neuen Medikamente: Im Gegensatz zu Biologika könnten sie in Form von Tabletten vom Patienten selbst eingenommen werden, so Lorenz.

So sicher wie Biologika

Der Stellenwert dieser neuen Therapie sei zwar derzeit noch schwer einzuordnen. Doch „für Tofacitinib existieren bereits große Datenbanken aus den USA, Schweiz und Russland, wo der Wirkstoff schon länger zugelassen ist. Dadurch wissen wir zumindest, dass die Therapie ähnlich sicher ist wie die mit Biologika und kaum unvorhergesehene Nebenwirkungen auftreten“, sagt Prof. Dr. Bernhard Hellmich, Tagungspräsident der DGRh und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Rheumatologie und Immunologie an der Medius Klinik Kirchheim.

Rheuma trifft viele
Etwa 800.000 Menschen in Deutschland leiden unter rheumatoider Arthritis. Damit ist sie die häufigste chronisch-entzündliche Rheuma-Erkrankung. Unbehandelt führt sie zu Gelenkentzündungen, die eine Schwerbehinderung des Patienten und seine Berufsunfähigkeit zur Folge haben kann.


Die Entdeckung neuer Therapiestrategien sei für tausende von Patienten von großer Bedeutung. Bisher gebe es nur wenige Optionen, mit denen sich Betroffene behandeln lassen könnten, und viele Arzneimittel seien noch nicht zugelassen. Der Grund: Bis die Forschung beim Patienten ankomme, durchlaufen die Wirkstoffe viele Jahre im Zulassungsverfahren, erläutert Hellmich.

Seit den 1950er Jahren werde Cortison als Basismedikament verwendet und seither meistens mit anderen Medikamenten, die fortwährend entwickelt werden, kombiniert. Biologika und nun auch die Signaltransduktionsinhibitoren seien die aktuell effektivsten Therapien gegen rheumatoide Arthritis. „Ärzte und Patienten sind stets darauf angewiesen, dass neue Wirkstoffe entdeckt werden, die den Patienten helfen, welche noch keine effektive Therapie genießen“, betont Hellmich.

Rheuma-Patienten kämpfen mit vielen Problemen

Die prekäre Situation von Rheuma-Patienten, auf die die Experten aufmerksam machen, wird aktuell auch durch eine Online-Umfrage der Deutschen Rheuma-Liga untermauert. Die Ergebnisse: Patienten haben Angst vor Altersarmut und sehen die langen Wartezeiten bei Ärzten als großes Problem an. Außerdem dauere es nach wie vor viel zu lange, bis Rheuma diagnostiziert werde. Über die Hälfte der Befragten habe vier Monate oder länger warten müssen, bis ein Rheumatologe die Diagnose gestellt hatte. Nur etwa zehn Prozent hätten einen Termin in den ersten sieben Tagen erhalten. Die Konsequenzen könnten gravierend sein, denn je später die Krankheit diagnostiziert werde, desto geringer seien die Chancen auf Remission.

Nicht-verschreibungspflichtige Medikamente sind belastend

Fast 70 Prozent fühlten sich laut Umfrage in Puncto finanzielle Sicherung im Alter von der Politik im Stich gelassen. Die Neuregelungen zur Erwerbsminderungsrente verringere das Risiko der Altersarmut für junge Rheumatiker nicht wesentlich, meint ein Großteil der Befragten. Zudem würden die Betroffenen finanzielle Belastungen von mehreren hundert Euro jährlich, die durch nicht-verschreibungspflichtige Medikamente und Fahrtkosten zu Therapien und Ärzten entstehen, als schwierig empfinden.

Deutsche Rheuma-Liga
Die größte deutsche Selbsthilfeorganisation im Gesundheitsbereich informiert und berät Betroffene unabhängig und frei von kommerziellen Interessen, bietet praktische Hilfen und unterstützt Forschungsprojekte zu rheumatischen Erkrankungen. Der Verband mit rund 300.000 Mitgliedern tritt für die Interessen rheumakranker Menschen in der Gesundheits- und Sozialpolitik ein.
Weitere Informationen: www.rheuma-liga.de
Digitorial

Literaturtipps
Cover Spork

"Gesundheit ist kein Zufall.'" von Peter Spork
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Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "11. Nationaler Qualitätskongress Gesundheit" vom 27.-28.11.2017 in Berlin
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