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„Research on Stage“: Bühne frei für Gesichter der Pharmaforschung

Warum Forschung die beste Medizin ist, kann niemand so gut erklären wie die Forscherinnen und Forscher selbst. Einen besonderen Anlass hierfür bot die Veranstaltung „Research on Stage“: acht Geschichten – acht Gesichter.

Mit ihren persönlichen Geschichten berichteten acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf großer Bühne über ihre persönlichen Wege, emotionale Momente und die Motivation hinter ihrer Arbeit. Auf www.research-on-stage.de gibt es die packenden Geschichten des Abends als Videos und neben Fotos und Hintergründen auch fortlaufend weitere Einblicke in die Welt der Pharma-Forschung. Persönlich erzählt wird Wissenschaft hier lebendig.

Forschung für Ebola

Dr. Nkacheh Atenchong, MSD – Burgwedel Biotech GmbHDr. Nkacheh Atenchonghat erste Bezüge zur Biologie schon als Kind in seinem Heimatland Kamerun bekommen, als er seine Mutter bei der Arbeit in ihrem kleinen Labor beobachtete. Und er lernte schon früh Patienten mit ihren verschiedensten Krankheiten kennen, sah sie leiden und sterben. Für ihn war klar: „Wenn ich die Chance bekomme, werde ich an Infektionskrankheiten forschen.“ Mit 17 Jahren kam er nach Deutschland, studierte zunächst Mikrobiologie in Oldenburg, widmete sich vor allem den vernachlässigten Tropenkrankheiten und promovierte an der Medizinischen Hochschule Hannover über Ebola. Viele wunderten sich damals über die Wahl seines Schwerpunktes. Doch das änderte sich mit dem Ebola-Ausbruch von 2014/2015. „Auf einmal war mein Thema sehr interessant“, erinnert Nkacheh Atenchong sich. 2015 wechselte er zum Pharma-Unternehmen MSD und ist dort in der weltweit ersten Produktionsstätte eines Ebola-Impfstoffs für die Qualitätssicherung zuständig.

Wie interagieren Proteine?

Dr. Gitte Neubauer, Cellzome, a GSK CompanyDr. Gitte Neubauer machte nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Technischen Assistentin. Schnell war klar, dass sie mehr wollte – sie holte das Abitur nach und studierte Biochemie. Ihre Motivation: Verstehen wie das Leben funktioniert, und zwar im Kleinen. „Man macht einen Organismus auf und sieht die Organe. Man macht die Organe auf und sieht die Zellen. Und dann macht man die Zellen auf und versteht, wie sie funktionieren und welche Prozesse da ablaufen. Das finde ich klasse!“ Im Anschluss folgte die Promotion zum Thema Proteine und im Jahr 2000 zusammen mit Kollegen die Gründung des Biotechnologie-Unternehmen Cellzome. „Das Schönste daran: Ich konnte das, was ich in meiner Doktorarbeit erforscht habe, zur Anwendung bringen.“

Jahrelanger Kampf gegen HIV

Prof. Dr. Jan van Lunzen, ViiV HealthcareSchon in den frühen 1980er-Jahren begegneten dem damaligen Medizinstudenten Jan van Lunzen bei einer Famulatur in Kenia Fälle einer Krankheit namens „slim disease“. Tatsächlich hatte man es mit HIV-Infizierten zu tun, ohne dass die Diagnose bekannt war. „Viele Patienten konnten damals nicht behandelt werden, weil wir nicht die richtigen Werkzeuge hatten“, erinnert sich der Professor, der heute mit über 25 Jahren Behandlungserfahrung als einer der führenden HIV-Spezialisten Deutschlands gilt. „Wir konnten nur das Siechtum mildern.“ Nach dem Studium beschäftigte sich er sich am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) weiter mit der Viruskrankheit. Aber auch dort war es ein „Kämpfen gegen einen übermächtigen Gegner“. 1987 kam das erste Medikament gegen HIV auf den Markt, aber: „Wir wurden enttäuscht – das Virus wurde sehr schnell resistent.“ Trotz der Ernüchterung forschte Jan van Lunzen intensiv weiter. In der Zusammenarbeit mit Patientenvertretern, der Pharma-Industrie, Ärzten, Gesundheitswissenschaftlern und Politikern versuchte man, neue Wege zu gehen. Mitte der 1990er Jahre kam der Durchbruch: Die Lösung war, drei verschiedene Medikamenten zu kombinieren. „Damals mussten die Patienten 25 bis 30 Tabletten am Tag nehmen“, berichtet Jan van Lunzen. „Heute reicht im besten Fall eine einzige Tablette.“

Ist eine dauerhafte Gewichtsreduktion möglich?

Dr. Christine Mössinger, SanofiDiabetes, Übergewicht und Fettstoffwechsel sind Themen, die Dr. Christine Mössinger als Forscherin beschäftigen. „Warum ist es so schwer abzunehmen und sein Körpergewicht dann zu halten?“, fragt sie. Seit 2017 untersucht die promovierte Biologin bei Sanofi als Laborleiterin, wie sich größere Mengen an Gewicht reduzieren lassen und wie das reduzierte Gewicht dann auch längerfristig gehalten werden kann. Übergewicht sei nicht nur eine ästhetische Frage, sagt die Wissenschaftlerin, sondern die überschüssigen Kilos könnten viele Leiden wie Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Folge haben. Bisher sei die beste Möglichkeit für eine dauerhafte Gewichtsreduktion die operative Magenverkleinerung. „Die Technik ist extrem invasiv und kann nur als allerletzte Option eingesetzt werden“, sagt Mössinger. Kurzfristige Diäten nützen nichts: Der Körper merkt, wenn die Kalorienzufuhr reduziert wird, und schaltet in eine Art Energiesparmodus. Ein Ansatz für eine dauerhafte Gewichtsreduktion sind die verschiedenen Arten von Fettzellen.

Erfolg nach Jahren des Forschens

Dr. Volker Teichgräber, RocheDie Liebe zu Science-Fiction begleitet Dr. Volker Teichgräber bereits sein ganzes Leben. Da es Kybernetik nicht als Studiengang gab, entschied er sich für die Medizin. Zu seinem Forschungsschwerpunkt wurden das Immunsystem und insbesondere die T-Zellen. Letztere können erkrankte Zellen im Körper erkennen und abtöten. Sein Doktorvater hatte die Vision, diese Zellen so gezielt zu manipulieren, dass sie Krebs bekämpfen können. Volker Teichgräber, der am Westdeutschen Tumorzentrum Essen und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg klinisch tätig war, gehörte zu einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern, die sich diesem Ziel über Jahre verschrieben haben. Ende der 2000er Jahre kam dann der Durchbruch: Sie übertrugen Mechanismen von Infektionskrankheiten in die Onkologie und identifizierten Klassen von Proteinen, die die T-Zellen gegen Krebs mobilisieren können. „Das war das Aha-Erlebnis und hat mir wahnsinnig viel zurückgegeben“, sagt er. „Man muss am Ball bleiben und forschen, um aus der Fiktion eine Realität zu machen.“

Hilfsmittel für eine wirksame Therapie

Dr. Christian Ried, AbbVie DeutschlandAls einen Vergleich zur Forschung zieht Dr. Christian Ried den Stabhochsprung heran. Es brauche gute Hilfsmittel, um hohe Hürden zu überspringen. „Wir haben viele Barrieren, die unseren Körper schützen sollen“, erklärt der Wissenschaftler. So auch die Blut-Hirn-Schranke, die bewirkt, dass schädliche Substanzen aus dem Blutstrom keinen Schaden im Gehirn anrichten. Unter bestimmten Bedingungen kann dies jedoch ein Nachteil sein: Will man Arzneimittel entwickeln, die gezielt im zentralen Nervensystem wirken, etwa zur Behandlung Multipler Sklerose und Alzheimer, stellt die Überwindung dieser Schranke eine große Herausforderung dar. Die meisten Wirkstoffe erscheinen der Barriere als Fremdkörper und werden nicht durchgelassen. „Deswegen suchen Forscher nach Transportsystemen, die die Wirkstoffe dorthin bringen, wo sie hinsollen“, sagt Christian Ried. Als Senior Scientist beim forschenden Pharma-Unternehmen AbbVie Deutschland arbeitete auch er an einer Lösung. Eine Möglichkeit sind Nanopartikel, die mit dem Wirkstoff beladen und von der Blut-Hirn-Schranke als „eigen“ eingestuft werden. Seit Jahrzehnten wurde bereits an der Idee geforscht, aber der Durchbruch ließ auf sich warten. Christian Ried versuchte es weiter und hatte zuerst auch Erfolg – aber in einem komplexeren Modell scheiterte er wieder. „Jetzt erst recht“, sagte sich der junge Forscher, versuchte es weiter und fand die Ursache für die Fehlschläge.

Von der Schädlingsbekämpfung zu Krebsmedikamenten

Dr. Charlotte Christine Kopitz, BayerSchon als Kind suchte Dr. Charlotte Christine Kopitz die intellektuelle Herausforderung – und fand sie zunächst im Puzzlespiel. Später galt ihre Faszination den Naturwissenschaften. Sie studierte Biologie mit dem Schwerpunkt Zoologie und widmete sich dem Feld der natürlichen Schädlingsbekämpfung. Dabei beschäftigte sie sich mit Enzymen, die Proteine abbauen, den sogenannten Proteasen. Sie stellte fest, dass diese nicht nur bei Insekten, sondern bei jeder menschlichen Erkrankung eine Rolle spielen. Sie beschloss, in die medizinische Grundlagenforschung zu wechseln und promovierte 2005 am Institut für Experimentelle Onkologie und Therapieforschung der TU München. Sie hat dabei viel über das Forscherdasein gelernt: Jede Hypothese, die nicht aufgeht, führt zu einer neuen Hypothese. „Das Puzzle fliegt nicht in die Ecke, sondern es wird größer, und mit ihm das Verständnis über die Erkrankung“, sagt Charlotte Kopitz.

Weitermachen – auch nach einem Rückschlag

Prof. Dr. med. Steven Hildemann, Merck KGaAProf. Dr. Steven Hildemann begann seine Karriere als Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie am Uniklinikum München. Schon früh begleitete er klinische Studien in Kooperation mit der biopharmazeutischen Industrie. Den Anfang machte ein Medikament, mit dem Herzinfarkte verhindert werden können. Später wechselte Steven Hildemann zur Onkologie und zu Autoimmunerkrankungen. „Beide Gebiete haben gemeinsam, dass in den letzten Jahren durch hochspezifische Eingriffe in das Immunsystem des Menschen dramatische Fortschritte erzielt wurden“, berichtet er. 1998 verließ Steven Hildemann nach zehnjähriger Laufbahn die Universitätsmedizin und wechselte in die Pharmaindustrie. Heute ist er Global Chief Medical Officer und Senior Vice President von Merck und Leiter des Bereiches der globalen Arzneimittelsicherheit. Dass Forscher auch nach Rückschlägen niemals aufgeben dürfen, verdeutlicht er an Stuart, einem 34-jährigen Patienten mit Multipler Sklerose. Stuart nahm an einer klinischen Studie teil und profierte von einem Medikament. Doch der Wirkstoff scheiterte bei der Zulassung. „Das war ein Schock für Stuart, für uns alle“, erinnert sich Steven Hildemann. Die Merck-Forscher gaben nicht auf und sammelten weiter Daten. Im Dialog mit der europäischen Zulassungsbehörde stellten sie einen zweiten Zulassungsantrag.

Wer mehr wissen möchte:

Weitere Informationen unter www.research-on-stage.de

Die Veranstaltung „Research on Stage“ vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) im Berliner Kino International.