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24. Oktober 2018

Thrombose: Der geheime Krebs-Vorbote

 
Die Ursache für Thrombose? Klar, lange Flüge. Das weiß jeder. Doch auch Rauchen und die Antibabypille können diese Erkrankung verursachen. Thrombose kann zudem ein Vorbote für Krebs sein. Das ist selbst einigen Medizinern unbekannt. Auf diesen Zusammenhang weist die Podiumsdiskussion „Tumor und Thrombose – Optimierung der Patientenversorgung“ in Berlin anlässlich des Welt-Thrombose-Tags hin.

Onkologe Prof. Hanno Riess, Direktor für Medizinische Onkologie an der Berliner Charité und Prof. Christoph Bode, ärztlicher Direktor der Internistischen Intensivmedizin am Universitätsklinikum Freiburg (v.l.). (© Photothek/Aktionsbündnis Thrombose)
Eine Patientin klagt über Rückenschmerzen, leidet am Brustwirbelsäulensyndrom. Sie begibt sich in ärztliche Behandlung. Dort wird eine Thrombose festgestellt, wenige Wochen später ein Tumor im Bauchspeicheldrüsenkopf. „Als Ankündigung für den Tumor hatte die Patientin die Thrombose“, verdeutlicht Dr. Jutta Schimmelpfennig den Zusammenhang. Die Frau sei schließlich einige Monate später verstorben.
Schimmelpfennig engagiert sich in der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Die Fachrichtung beschäftigt sich mit Venenerkrankungen. Bei der Podiumsdiskussion führen sie und Prof. Rupert Bauersachs, wissenschaftlicher Leiter des Aktionsbündnisses in das Thema ein. Die klinische Sicht beleuchten Prof. Christoph Bode, ärztlicher Direktor der Internistischen Intensivmedizin am Universitätsklinikum Freiburg und Prof. Hanno Riess, Direktor für Medizinische Onkologie an der Berliner Charité. Dr. Omar Abou Deif, in der Gesundheitsverwaltung des Stadtstaates Hamburg für das Krebsregister zuständig und Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Vereinigung (Zi), gehen auf die Probleme der Datenauswertung bei gleichzeitigen Tumor- und Thrombosepatienten ein.

„Dann bricht die Welt endgültig zusammen“

Der Zusammenhang zwischen Thrombose und Tumor stellt auch Mediziner vor Herausforderungen, wie Bauersachs deutlich macht. Es sei „nicht unbedingt erkennbar, dass der Thrombosepatient eine Tumorerkrankung hat“. Doch worin besteht überhaupt der Zusammenhang? „Tumore sind gerinnungsaktiv. Sie setzen Substanzen frei, die zur vermehrten Gerinnungsfähigkeit des Blutes führen. Das kann zu Thrombosen führen“, erläutert Schimmelpfennig, „das Tückische ist, dass Sie das im Labor nicht messen können. Es gibt keine Vorsorgeuntersuchungen dazu.“ Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, den Betroffenen die Doppeldiagnose zu vermitteln. Bauersachs: „Dann bricht die Welt endgültig zusammen.“
Verbesserungsfähig ist der Austausch zwischen Krankenhausärzten und Niedergelasssenen, wird während der Veranstaltung deutlich. Schimmelpfennig wünscht sich einen einheitlichen Entlassbrief, damit der weiterbehandelnde Arzt weiß, welche Medikamente er verordnen kann. Riess meint, dass der Krankenhausarzt dem weiterbehandelnden Mediziner nicht zu viele Vorgaben machen sollte. Das greife in die Autonomie des Niedergelassen ein.

Datenerfassung steckt in den Kinderschuhen

Die Datenerfassung, um bei Patienten einen Zusammenhang zwischen Thrombose und Krebs zu erkennen, steckt noch in den Kinderschuhen. Das räumt Deif ein. „Es ist nicht besonders tief erfasst“, sagt er. Analysen, die auf den Zusammenhang hinweisen, könne das Zi liefern, sagt von Stillfried. Er habe auch schon mit Bauersachs gesprochen. Eine Zusammenarbeit kündigt sich auf der Veranstaltung an.
Bleibt ein generelles Problem: Die Menschen wissen zu wenig über Thrombose. Bessere Aufklärung ist wichtig, sind sich die Mediziner einig. Speziell junge Frauen müssen achtsam sein, wenn sie rauchen und die Antibabypille nehmen, erläutert Bode. „Da ist das Risiko für venöse Thrombosen relativ hoch. Mit denen muss man sprechen“, sagt der Mediziner. Bei Schmerzen in den Beinen sollte man nicht erst mehrere Wochen warten, sondern einen Termin beim Arzt vereinbaren. Bode betont: „Und wenn jemand eine Thrombose hat, muss man sich um die Krebsvorsorge kümmern.“
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Digitalisierung im Gesundheitswesen – Status quo und Ausblick", 21.11.2018, Berlin
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Digitorial

Literaturtipps
Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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