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7. April 2017

Woran erkennt man eine gute Krankenkasse?

 
Können Krankenkassen unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen die Patientenversorgung und die Qualität in den Mittelpunkt stellen? Dieser Frage geht der BKK Dachverband in seiner Veranstaltungsreihe „BKK im Dialog“ nach.

Dr. Gertrud Demmler, Vorstand der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK) (© pag/Fiolka)
Dr. Gertrud Demmler, Vorstand der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK), bemängelt, dass die Öffentlichkeit nur auf die wirtschaftlichen Daten einer Kasse schaue – welche Qualität sie liefere, werde nicht wahrgenommen. Auf Bewertungsplattformen variiere die Kundenzufriedenheit erheblich. „Warum ist das so?“, lautet die rhetorische Frage. „Ist es Zufall?“ Keineswegs. Es gebe Kriterien, die über die Qualität einer Kasse Auskunft geben könnten. Dazu zählten unter anderem die Transparenz bei Beschwerdequoten, Qualität und Schnelligkeit der Bearbeitung von Versichertenanliegen sowie das systematische Arbeiten mit Versichertenfeedbacks.

Woran erkennt man die Qualität einer Krankenkasse?
Dr. Gertrud Demmler, Vorstand der SBK, formuliert Fragen, an denen Versicherte überprüfen können, ob ihre Krankenkasse „einen guten Job“ macht:
  • Ist die Kasse gut erreichbar?
  • Ist sie leistungsbereit?
  • Bietet sie eine gute Beratung, eventuell Patientenschulungen?
  • Wie schnell bearbeitet sie Anträge?
  • Hilft die Kasse dabei, einen guten Arzt zu finden?
  • Wie geht sie mit Beschwerden um?


Demmler fordert von der Politik eine ernsthafte Qualitätsdebatte auch bei Krankenkassen: „Ich habe es satt, immer nur über Zusatzbeiträge zu reden“, sagt sie. Die Volkswirtin setzt sich außerdem für ein erweitertes Datenverfügungsrecht für die Kassen ein – mit Zustimmung des Patienten. Erst dann könnten die Krankenkassen ihre Versicherten „pro aktiv“ richtig beraten.

Behandlungswege oft schlecht aufeinander abgestimmt

Nils Hindersmann, IG BCE, Abteilung Sozialpolitik (© pag/Fiolka)
Nils Hindersmann, IG BCE, Abteilung Sozialpolitik, kritisiert lange und oft unzureichend aufeinander abgestimmte Behandlungswege, insbesondere bei psychischen Erkrankungen. Gerade für kleine Firmen seien gut miteinander vernetzte Akteure für gesunde Belegschaften unverzichtbar. Von der Politik fordert der Gewerkschafter endlich eine funktionierende Telematik-Infrastruktur für die effiziente Umsetzung von E-Health Projekten, mehr Möglichkeiten für eine integrierte Versorgung, zum Beispiel auch für psychische Leiden, sowie mehr Gestaltungsmöglichkeiten für das betriebliche Gesundheitsmanagement.

Politik befürwortet Qualitätsdebatte

Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes (© pag/Fiolka)
In der Diskussion sind sich Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, und die Politiker aller im Bundestag vertretenen Fraktionen darüber einig, dass es an der Zeit sei, das Engagement gesetzlicher Krankenkassen unter den Qualitätsaspekten „Beratungsleistung“ und „Service“ zu betrachten. Wie das erreicht werden soll, dazu gehen die Meinungen allerdings auseinander. Der Spannungsbogen reicht vom Vorschlag, dass die Kassen dies untereinander selbst regeln sollten bis hin zur Überlegung, fundierte Standards und Benchmarks zu definieren.

Sollen die Kassen mehr Versichertendaten bekommen?

Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/Die Grünen) unterstützt den Ansatz, die Qualität einer Kasse stärker zu berücksichtigen. „Wir müssen wegkommen von dem Fixiertsein auf Zusatzbeiträge“, sagt sie. Stattdessen sei ein Wettbewerb um Versichertenbegleitung und Versichertenberatung erforderlich. Allerdings: Wenn eine Kasse sich zu sehr in die Versorgung einmische, werde das von den Versicherten als Kontrolle empfunden und das Vertrauensverhältnis gehe verloren. Mechthild Rawert (SPD) zeigt sich ebenfalls skeptisch gegenüber dem Verlangen der Kassen nach mehr Versichertendaten. „Pro aktiver Umgang mit Versichertendaten: Was soll das genau heißen? Was beinhaltet das?“, fragt sie. Einig sind sich die Diskutanten darüber, dass in einer immer stärker digitalisierten Umgebung das deutsche Gesundheitswesen einen hohen Nachholbedarf hat und eine sinnvolle Datenverknüpfung die Voraussetzung für eine zeitgemäße ganzheitliche Beratung für Patienten sei.
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: BKK-Selbsthilfetag 2018 am 27.09.2018 in Düsseldorf
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Digitorial

Literaturtipps
Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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