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Nach Lockdown: Kliniken brauchen Blut

Corona hat zu Einbrüchen bei den Blutspenden geführt. Gerade jetzt, da die Krankenhäuser wieder auf Normalbetrieb hochfahren und damit auch mehr Operationen durchführen, werden Blutreserven dringend gebraucht. Die Nachfrage steigt bereits. In einigen Regionen war der Vorrat an Blutprodukten bereits gefährlich knapp. Zeit also, zu spenden!

BlutplasmaBlutreserven werden nach dem Lockdown dringend gebraucht„Könnt Ihr alle mal Blutspenden gehen? Wir konnten diese Woche das erste Mal einem chronisch kranken Patienten nur zwei statt drei Konserven transfundieren“, schreibt ein Arzt unter dem Namen „Pädiatrieparty“ vor Pfingsten auf Twitter. An dem langen Feiertagswochenende zeigt sich auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) alarmiert, das in Deutschland zusammen mit dem Bayerischen Roten Kreuz etwa 75 Prozent der Versorgung abdeckt. In Hessen und Baden-Württemberg sind die Blutreserven so knapp, dass sie im Ernstfall keine 24 Stunden lang gereicht hätten, so das DRK. Grund für die Engpässe ist zum einen „der rasche Anstieg der aus den Kliniken gemeldeten Bedarfe“, sagt DRK-Pressesprecher Patric Nohe. Die wegen Corona verschobenen Eingriffe werden jetzt nachgeholt. Zum anderen hat das Spendenaufkommen in den vergangenen Monaten unter der Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown gelitten. Die Zahl der Blutspenden sei zu Beginn der Corona-Krise in einzelnen Regionen um bis zu 30 Prozent eingebrochen, berichtet Nohe anlässlich des Weltblutspendetages am 14. Juni.

Dass die Spendenbereitschaft im Jahresverlauf schwankt, kennt die Uniklinik Essen. In diesem Jahr sei das Auf und Ab aber besonders stark ausgeprägt. Zweimal sah sich die Universitätsklinik seit März schon dazu genötigt, mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit und Mitarbeiteraufrufen das Spendenaufkommen zu steigern. Inzwischen sei die Lage wieder normal, gibt sich die Uniklinik, die im Schnitt 8000 Vollblutspenden im Jahr einsammelt, vorsichtig optimistisch. Bundesweit, sagt DRK-Sprecher Nohe, sei „die Versorgung mit überlebenswichtigen Blutpräparaten aktuell auf niedrigem Niveau gesichert“. Zum entspannten Zurücklehnen gebe es aber keinen Anlass, zumal die Sommerferien noch bevorstehen. „Aufgrund der begrenzten Haltbarkeiten von Blutpräparaten ist und bleibt ein kontinuierliches Engagement der Menschen unabdingbar. Gerade in den kommenden Tagen und Wochen ist es dringend erforderlich, dass Spenderinnen und Spender die angebotenen Termine wahrnehmen.“ Das Plasma kann tiefgefroren etwa zwei Jahre gelagert werden. Erythrozyten-Präparate (rote Blutkörperchen) sind dagegen nur 35 Tage haltbar, Thrombozyten-Präparate sogar nur etwa vier Tage.

Etwa 15.000 Blutspenden werden laut DRK jeden Tag in Deutschland benötigt. Das Blut und seine Bestandteile werden zur Behandlung vieler Erkrankungen, vor allem bei Krebs, eingesetzt und sind auch zur Herstellung von Medikamenten nötig. Das Eiweiß Albumin aus dem Blutplasma hilft beispielsweise Menschen mit schweren Verbrennungen oder Verletzungen. Die Konzentrate aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten) werden verwendet, um hohe Blutverluste auszugleichen. Aus dem Blutplasma werden zahlreiche Arzneimittel hergestellt. Zu den bekanntesten Medikamenten zählen die Gerinnungsfaktor-Präparate, die beispielsweise zur Behandlung der Bluterkrankheit eingesetzt werden, oder die Immunglobuline; sie helfen bei Infektionen wie Tetanus oder Hepatitis.
Die Blutgruppen, die am meisten gebraucht werden, sind jene, die am häufigsten in der Bevölkerung vorkommen: A Rhesus positiv (37 Prozent) und Null Rhesus positiv (35 Prozent). Besonders begehrt ist die Blutgruppe 0 Rhesus negativ, die nur sechs Prozent der Bevölkerung besitzt: Das Blut ist mit den anderen Blutgruppen kompatibel und kann deswegen bei allen Transfusionen eingesetzt werden. Welche Blutgruppe Spender haben, erfahren diese in der Regel im Rahmen der Blutspende.