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9. November 2018

Medikamente: Richtige Lagerung und Entsorgung

 
Berend Groeneveld, Patientenbeauftragter des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), spricht im Interview über die richtige Aufbewahrung von Medikamenten, korrekte Entsorgung und was zu tun ist, wenn das Medikament merkwürdig aussieht.

Berend Groeneveld, Patientenbeauftragter des Deutschen Apothekerverbandes (DAV). (© ABDA)
Herr Groeneveld, bei welchen Arzneimitteln sollte man besonders achtsam sein und warum?
Einige Medikamente, die aus Eiweißen bestehen, sind temperaturempfindlich. Ein Beispiel dafür ist Insulin. Diese Medikamente sollten bei zwei bis acht Grad Celsius im Kühlschrank gelagert werden. Ein sogenannter Insulinpen, ein Gerät zur Injektion von Insulin, kann allerdings auch bei Raumtemperatur benutzt, aufbewahrt und transportiert werden. Vorräte für den Pen müssen auch kühl verwahrt werden. Sollten diese Medikamente jedoch über einen längeren Zeitraum, mehr als vier Wochen, zu warm gelagert werden, können sie ihre Wirkung verlieren – auch Einfrieren kann sie zerstören.

Lebensmittel sind viel länger haltbar als auf der Packung angegeben. Gilt das auch für Arzneimittel?
Nein! Anders als Lebensmittel, die ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben, gibt es bei Arzneimitteln ein definiertes Verfalldatum, das auf der Packung angegeben ist. Arzneimittel dürfen danach nicht mehr verwendet werden, denn sie können ihre Wirkung verändern, ohne dass dies äußerlich erkennbar ist.

Wo sollten Medikamente am besten aufbewahrt werden?
Idealerweise werden Arzneimittel geschützt vor Licht und Feuchtigkeit bei Raumtemperatur in einer Hausapotheke aufbewahrt. Für die meisten Medikamente ist eine Raumtemperatur unter 25 Grad Celsius in Ordnung. Auf jeder Arzneimittelpackung ist angegeben, welche Temperatur für die Lagerung ideal ist. Arzneimittel sollten wegen der Luftfeuchtigkeit nicht im Badezimmer oder der Küche, sondern eher im Schlafzimmer oder im Flur aufbewahrt werden. Wenn Kinder im Haushalt leben, muss die Hausapotheke gesichert werden. Andererseits dürfen Medikamente nicht zu warm gelagert werden, etwa im Auto an einem heißen Sommertag.

Wie entsorgt man Medikamente am besten?
Arzneimittel – auch flüssige wie etwa Hustensaft – können meist über den Hausmüll entsorgt werden. Aber in Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung zur Entsorgung von Medikamenten. Eine Internetseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung – www.arzneimittelentsorgung.de – informiert Verbraucher darüber, wie die Entsorgung von Altarzneimitteln in den Kommunen geregelt ist. Einige Apotheken nehmen diese als freiwillige Serviceleistung entgegen. Keinesfalls sollten Medikamente über die Toilette oder das Spülbecken entsorgt werden, denn das belastet das Grundwasser unnötig.

Bei welchen äußeren Anzeichen sollten Medikamente nicht mehr verwendet werden?
Arzneimittel dürfen nur so lange angewendet werden, wie dies im Verfalldatum auf der Packung angegeben ist. Wenn das Arzneimittel merkwürdig aussieht, eine Tablette zum Beispiel im Blister zerbröselt ist, sollte man damit in seine Apotheke gehen. Der Pharmazeut kann Mängel prüfen oder diese an die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker melden.

Wie geht man mit Arzneimitteln um, die nach dem ersten Öffnen mikrobiell anfällig sind, wo also Bakterien oder Pilze dafür sorgen, dass das Medikament unbrauchbar wird?
Dazu finden sich Angaben im Beipackzettel. Dort kann zum Beispiel eine Aufbrauchfrist angegeben sein. Diese Frist gibt an, wie lange zum Beispiel Augentropfen nach dem ersten Öffnen noch verwendet werden können – im Gegensatz zum Verfalldatum, das für die ungeöffneten Augentropfen gilt.

Was bedeutet es, wenn in der Verpackung ein Beipackzettel in einer fremden Sprache liegt?
Deutsche Arzneimittel müssen immer mit deutschsprachigen Beipackzetteln versehen sein. Das gilt auch für die sogenannten Re- oder Parallelimporte. In Einzelfällen kann der Apotheker auf ärztliche Verordnung aus dem Ausland Arzneimittel importieren, die keinen deutschen Beipackzettel haben – Einzelimport nach § 73 des Arzneimittelgesetzes. Dann sollten sich Patienten bei ihrem Apotheker über das Medikament informieren.

Vielen Dank für das Gespräch!
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Gesundheit und Krankheit im transkulturellen Kontext", am 18.12.2018 in Köln
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Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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