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Bei Fernreisen auf Impfschutz achten

Für Reisen in die Ferne ist eine gewissenhafte Vorbereitung nötig – gerade, wenn es um die Gesundheit geht. Denn in fremden Regionen sind mitunter Krankheiten verbreitet, die in der Heimat nicht auftreten. Die Experten der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) wissen, für welche Regionen welche Impfungen empfehlenswert sind.

Dr. Johannes SchenkelDr. Johannes Schenkel„Fernreisende sollten ihren Impfstatus rechtzeitig vor der Reise überprüfen lassen und sich über notwendige Impfungen informieren“, rät der ärztliche Leiter der UPD, Dr. Johannes Schenkel. „Wer eine Reise antritt, sollte auch immer die von der ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) empfohlenen Standardimpfungen überprüfen und vervollständigen lassen – also beispielsweise gegen Tetanus, Diphtherie und saisonale Grippe“, ergänzt der Mediziner. Über den aktuellen Impfstatus informiere der Impfpass. Standardimpfungen könne der Hausarzt auffrischen.

Genügend Vorlaufzeit einplanen

Wichtig sei, vor der Reise genug Zeit für die Impfung einzuplanen. Viele Immunisierungen entfalteten ihren vollen Schutz erst nach mehreren Wochen, bei anderen brauche es mehrere Injektionen, die der Arzt im Abstand von einigen Wochen verabreicht. Reisende sollten sich daher frühzeitig über die für ihren Urlaub nötigen Impfungen informieren und die Arztbesuche mit ausreichend Vorlauf in ihre Reisevorbereitungen einplanen. In verschiedenen Destinationen würden Impfungen beispielsweise gegen Hepatitis A und B, Typhus, Cholera, Gelbfieber oder Japanische Enzephalitis, Meningokokken oder Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) nahegelegt.

Bei Reisen wichtig: individuelle Beratung

Tropenmediziner Prof. Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, empfiehlt allen Reisenden, sich vor dem Urlaub zu erforderlichen und empfohlenen Impfungen zu erkundigen und sich beraten zu lassen. Ansprechpartner seien neben spezialisierten niedergelassenen Ärzten insbesondere Tropeninstitute und teilweise auch Gesundheitsämter. Eine Beratung mit einem dafür ausgebildeten Mediziner sollte individuell auf den Reisenden sowie Ziel, Art und Dauer der Tour abgestimmt sein.


Besonderes Risiko: Hepatitis A

Prof. Dr. Tomas JelinekDie Deutsche Leberstiftung weist darauf hin, dass in vielen beliebten Reisegebieten – wie Süd- und Südosteuropa, Afrika, Asien sowie Süd- und Mittelamerika – Hepatitis-A-Viren weit verbreitet sind. Da das Virus sehr widerstandsfähig ist und ihm auch hohe Temperaturen und viele Desinfektionsmittel nichts anhaben können, sei die Ansteckungsgefahr groß. „Viele Urlauber glauben, wenn sie den ganzen Urlaub in einer separaten Hotelanlage verbringen, wären sie vor einer Ansteckung sicher. Doch das ist ein Irrglaube, auch hier können sie sich über kontaminierte Lebensmittel oder eine Schmierinfektion anstecken“, sagt Prof. Dr. Michael Manns, Vorstandsvorsitzender der Leberstiftung. Hepatitis-A-Infektionen verlaufen meist ohne Symptome, vor allem bei Kindern. Bei Erwachsenen können leichtes Fieber, Übelkeit oder Druckschmerzen im Oberbauch auftreten. Später kann eine Gelbsucht folgen. Die Infektion klingt zwar bei gesunden Menschen in der Regel von selbst ab, doch bei älteren oder kranken Menschen kann sie zu einem akuten Leberversagen führen. „Eine wirkungsvolle Impfung schützt vor Hepatitis A“, betont Manns. „Selbst kurz vor Antritt der Reise ist es nicht zu spät für die Impfung.“

Auch Hepatitis B und C können Urlauber gefährden

Ein weiteres Infektionsrisiko im Urlaub ist laut Leberstiftung das Hepatitis-B-Virus. Die Ansteckung erfolgt über Körpersekrete wie Blut, Sperma oder Speichel. Neben ungeschütztem Sex kann es zu Übertragungen bei Tätowierungen, Piercings, durch Verletzungen bei der Fußpflege oder beim Zahnarzt kommen. Meist bemerken Infizierte nichts von ihrer Erkrankung. Kommt es jedoch zu einer chronischen Entzündung, besteht ein erhöhtes Risiko für bindegewebsartige Veränderungen der Leber (Fibrose) oder Zirrhose, was letztlich zu Leberzellkrebs führen kann. Größtmöglichen Schutz vor einer Übertragung des Hepatitis-B-Virus gewährleistet eine entsprechende Impfung, die kombiniert mit der Hepatitis-A-Impfung durchgeführt werden kann. Keine Impfung gibt es jedoch gegen eine Hepatitis-C-Erkrankung. Das C-Virus wird fast ausschließlich über Blut-Kontakte übertragen. Zu den Haupt-Infektionswegen zählen unsterile Tätowiernadeln, Piercings oder Rasiermesser.


Reiseimpfungen: Neues in der Pipeline

Derzeit entwickeln Unternehmen mehrere Impfstoffe gegen Krankheiten, die vor allem in Entwicklungsländern auftreten – etwa Ebola, Malaria, Tuberkulose und Dengue-Fieber. In der Vergangenheit sind Pläne für solche Impfstoffe häufig an Finanzierungsproblemen gescheitert: Es bestand für die Unternehmen keine Aussicht, die Kosten eines von ihnen vorfinanzierten Impfstoffs durch Einnahmen wieder einzuspielen. Bei Impfstoffprojekten gegen Malaria und Tuberkulose haben inzwischen die Public-Private Partnerships „Malaria Vaccine Initiative“ und „AERAS Global TB Vaccine Foundation“ die Koordination übernommen, finanziert vor allem von der Bill-and-Melinda-Gates Foundation und den Niederlanden, Dänemark und Norwegen. Im Juli 2015 hat der weltweit erste Malaria-Impfstoff die Zulassungsempfehlung der europäischen Arzneimittelagentur EMA erhalten. Er wurde speziell für Kleinkinder in Malaria-Gebieten entwickelt und kann die Zahl der Todesfälle und die Häufigkeit schwerer Krankheitsverläufe mindern. Eine beachtliche Zahl an weiteren Präparaten befindet sich derzeit in der Entwicklung beziehungsweise bereits in der klinischen Prüfung, unter anderem gegen Chikungunya, Ebola und Noroviren. Insgesamt sind in den nächsten Jahren zahlreiche Neuentwicklungen und Zulassungen zu erwarten. Nicht alle der neu entwickelten Präparate werden allerdings für eine Reiseimpfung geeignet sein.

Was zahlt die Kasse?

Reiseimpfungen aufgrund nicht beruflicher Auslandsaufenthalte sind keine Standardimpfungen und werden in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt. Viele Kassen übernehmen die Kosten jedoch als freiwillige Leistung. Grundlage der Erstattung sind die Empfehlungen der STIKO in Verbindung mit den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes. Die Abrechnung erfolgt in aller Regel über Kostenerstattung. Das heißt, Versicherte reichen die Rechnung des Arztes zusammen mit den Impfstoffkosten bei ihrer Krankenkasse ein und bekommen die Kosten dann zurückerstattet. In manchen Regionen ist jedoch auch eine direkte Abrechnung über die Versichertenkarte möglich. Unter Umständen müssen die Versicherten gesetzliche Zuzahlungen leisten. Nähere Informationen erteilen die Krankenkassen durch ihre Servicezentren. Das Centrum für Reisemedizin hat eine Übersicht erstellt, welche Kasse welche Kosten übernimmt (http://crm.de/krankenkassen/kk_tabelle_kassen.htm).

Weitere Informationen:

  • Allgemeine Informationen zum Thema Impfen gibt es beim der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa). Auf der Webseite sind außerdem ein Selbstcheck sowie eine Liste der Krankheiten zu finden, gegen die es einen Impfstoff gibt: http://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung
  • Die UPD beantwortet alle Fragen rund um Reiseimpfungen kostenfrei unter der Telefonnummer 0800 011 77 22 (montags bis freitags von 8.00 bis 22.00 Uhr und samstags von 8.00 bis 18.00 Uhr).

  • Informationen zur reisemedizinischen Vorsorge für alle Reiseländer finden Interessierte beim Centrum für Reisemedizin.
  • Empfehlenswert sind auch die Internetseiten des Auswärtigen Amtes, das neben der politischen Lage in dem jeweiligen Land auch über aktuelle gesundheitliche Risiken informiert.

Wer mehr wissen möchte: