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26. März 2019

Regierung prüft Impfpflicht bei Masern

 
Berlin (pag) – Derzeit untersucht die Große Koalition die Einführung einer bundesweiten Masern-Impfpflicht. Weltweit häufen sich die Fälle der hochansteckenden Virusinfektion – auch in Deutschland.

Die erste Impfung ist für Kleinkinder zwischen 11 und 14 Monaten empfohlen, die zweite vom 15. bis zum 23. Lebensmonat. (© shutterstock / Elvira Koneva)
Laut Medienberichten ist Karl Lauterbach (SPD) im Moment im Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), um demnächst einen Vorschlag zu präsentieren. Lauterbachs Partei setzt sich ebenso wie die Liberalen für eine Masern-Impfpflicht ein. Es sei verantwortungslos, Kinder nicht impfen zu lassen, moniert Michael Theurer, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) spricht sich für eine Impfpflicht zur Masernbekämpfung aus: „Je besser die Durchimpfungsrate ist, desto sicherer ist das Leben gerade für die Kleinsten unter uns.“ Noch drastischer ist das Statement der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: „Kinder nicht impfen zu lassen, ist grob fahrlässig und töricht.“ Auch die Position der Bundestagsfraktion Die Linke ist klar. „Wer öffentliche Einrichtungen besucht oder dort arbeitet, muss geimpft sein. Das sollte bei Kindern wie auch bei Erwachsenen eine Selbstverständlichkeit sein“, sagt ihr parlamentarischer Geschäftsführer Jan Korte.

Grüne sehen Impfpflicht skeptisch

Grünen-Politikerin Kordula Schulz-Asche distanziert sich von diesen Forderungen und erklärt, dass es keine Sanktionen und Zwang geben sollte, sondern dass das Vertrauen in eine gute Beratung gestärkt werden müsse. Es brauche die Verbesserung der personellen Ausstattung. Zudem müsse der Öffentliche Gesundheitsdienst aufgewertet werden. Schulz-Asche unterstreicht zugleich, dass Kinderärzte künftig die Eltern impfen dürfen sollten, die mit ihren Kindern zum Impfen kommen. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts seien ein guter Maßstab. "Alle, die sich für eine Impfpflicht aussprechen, müssen erklären, wie diese umgesetzt werden kann", erklärt sie weiter.

Rekordzahl an Neuinfektionen 2018

Alarmiert von den Entwicklungen zeigt sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO): Im Jahr 2017 seien weltweit 30 Prozent mehr Masern-Ausbrüche festgestellt worden. Eigentlich hatte die WHO das Ziel, die Masern bis 2020 auszurotten. 2017 gab es in Deutschland mit etwa 1000 Infektionen knapp dreimal so viele Fälle wie noch 2016. Noch nie wurden im europäischen Raum so viele Kinder gegen Masern geimpft wie 2018. Doch die Fortschritte seien zwischen als auch innerhalb der Länder ungleich verteilt, „sodass wachsende Konzentrationen gefährdeter Personen ohne Impfschutz bleiben“, informiert die WHO. Das hat zu Folge, dass es 2018 eine Rekordzahl an Neuinfektionen gab: Insgesamt starben in der europäischen Region 72 Erwachsene und Kinder an Masern, 82.596 Personen infizierten sich mit dem Virus – nie war die Quote höher in den vergangenen zehn Jahren. Die WHO fordert, auf lokaler Ebene anzusetzen und die Impfquoten zu verbessern. Die Krankenkasse Barmer ruft dazu auf, den Impfschutz zu überprüfen. „Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Die Viruserkrankung ist hoch ansteckend und kann sogar tödlich enden“, betont Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Krankenkasse in Nordrhein-Westfalen.

Zwei Immunisierungen notwendig

Bei unklarem oder unzureichenden Impfstatus sollte die Impfung schnell nachgeholt werden. Erst kürzlich gab es einen Masernausbruch im Oberbergischen Kreis.
Damit die Immunisierung der Impfung wirkt, sind zwei Impfdosen notwendig. Die erste Impfung ist für Kleinkinder zwischen 11 und 14 Monaten empfohlen, die zweite vom 15. bis zum 23. Lebensmonat. Bei Erwachsenen verläuft eine Erkrankung oft schwerer als bei Kindern. Säuglinge oder Menschen mit schwachem Immunsystem hätten ein hohes Risiko für Komplikationen, informiert die Barmer. Dazu gehören Lungen- und Mittelohrentzündungen sowie Hirnentzündungen. Wer sich mit Masern angesteckt hat, könne über eine passive Impfung binnen drei Tagen versuchen, die Krankheit zu verhindern oder zumindest abzuschwächen. Bei dieser Art der Impfung spritzt der Arzt die Abwehrstoffe gegen das Masernvirus direkt.

Symptome fangen grippeähnlich an

Etwa acht bis zehn Tage nach der Infektion treten grippeähnliche Symptomen wie Schnupfen, Halsschmerzen, Fieber oder trockener Hals auf. Weiterhin kommen Abgeschlagenheit, Lichtempfindlichkeit und Müdigkeit hinzu. Anschließend entstehen weiße Flecken an der Wangenschleimhaut, die mit Fieber in eine Rötung des Mund- und Rachenraumes übergehen. Im Hauptstadium der Erkrankung kommt wieder starkes Fieber und der typtisch rote Hautausschlag hinzu. Er breitet sich zunächst hinter den Ohren aus, wandert dann über das Gesicht auf den gesamten Körper. Erst wenn der Ausschlag komplett verschwunden ist, gilt der Patient als nicht mehr ansteckend.

Tödliche Spätfolgen

Oft heilen Masern ohne Probleme aus, doch bei zehn bis 20 Prozent der Betroffenen kann es zu Komplikationen kommen, vor allem bei Kleinkindern. Bei etwa einer von 1.000 Maserninfektionen entsteht eine postinfektiöse Enzephalitis. Dabei entzündet sich das Gehirn und Nervenzellen werden geschädigt. Etwa drei bis neun Tage nach dem Auftreten des Hautausschlags kommen hohes Fieber, Bewusstseinsstörungen und Krampfanfälle hinzu. Etwa zehn bis 20 Prozent sterben daran, 20 bis 30 Prozent leben mit Schäden des Zentralen Nervensystems. In sehr seltenen Fällen kommt es im Durchschnitt sechs bis acht Jahre nach der Infektion zu einer subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE), bei der das Gehirn angegriffen wird – dies ist in jedem Fall tödlich. Gefährdet sind besonders Säuglinge.
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