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1. Februar 2018

„AdAM“ soll Arzneimitteltherapie sicherer machen

 
Das Projekt „AdAM“, das die Barmer GEK mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, mehreren Universitäten und medizinischen Fachgesellschaften angestoßen hat, soll Patienten in Westfalen-Lippe helfen, die viele Medikamente benötigen.

(© fotolia / Henrik Dolle)
AdAM steht für „Anwendung für digital unterstütztes Arzneimitteltherapie- und Versorgungsmanagement“. Das Projekt widmet sich der Multimedikation und den daraus entstehenden Risiken. Für Patienten, die an mehreren Krankheiten zugleich leiden und deswegen viele verschiedene Medikamente einnehmen müssen, kann eine unzureichend abgestimmte Arzneitherapie zu einer echten Gefahr werden.

Bessere Therapie durch mehr Informationen

Der Hausarzt bekommt von der Krankenkasse eine Liste mit den Arzneimitteln, die einem Patienten verordnet wurden, sowie weitere behandlungsrelevante medizinische Informationen. Diese Datenweitergabe muss allerdings im Vorhinein von dem Projektteilnehmer genehmigt werden. Die Arzneimittel des Patienten gehen in einen Medikationsplan ein, der auch diejenigen Mittel enthält, die der Patienten ohne Rezept in einer Apotheke oder Drogerie gekauft hat. Dieser Überblick über die Gesamtmedikation ermöglicht es dem Arzt, gefährliche Wechselwirkungen zu erkennen.
Andere Projektelemente sorgen dafür, dass der Hausarzt automatisch informiert wird, zum Beispiel wenn einer seiner Patienten stationär im Krankenhaus aufgenommen wird oder bei einem Arzneimittel neue Risiken festgestellt werden. „AdAM informiert die Patienten besser über Nutzen und Risiken ihrer Medikamente und fördert ihre Mitarbeit“, sagt Dr. Mani Rafii, Vorstand der Barmer GEK. Alles zusammen ermögliche es den Hausärzten, inmitten der Behandlungskomplexität Risiken schnell zu erkennen.

AdAM bekommt dafür aus dem Innovationsfonds rund 16 Millionen Euro Starthilfe. „Bei einer Überführung in die Regelversorgung lassen sich bei allen Krankenkassen bis zu 2,75 Milliarden Euro einsparen“, so Rafii, Vorstand der Barmer GEK. „Über den Innovationsfonds geförderte Projekte sollten ausschließlich Ideen in die Regelversorgung gelangen, welche die Versorgungsqualität für die Patienten verbessern, die Wirtschaftlichkeit erhöhen und die Strukturen und Prozesse der Versorgung optimieren“, erklärt er.

Wer, wo, wie viele?
Umgesetzt wird AdAM in Westfalen-Lippe. Ziel ist es, dass sich 85 Prozent der 440.000 Barmer-Versicherten, die fünf oder mehr Medikamente einnehmen, in das Projekt einschreiben. 1.000 Ärzte haben bereits ihr Interesse bekundet. Das Projekt ist auf 36 Monate angelegt und soll bis Ende September 2019 Ergebnisse liefern. Angestrebt wird eine Überführung in die Regelversorgung, in der das Projekt bis zu 18,6 Millionen Patienten helfen könnte.


Patienten profitieren von besserem Überblick des Hausarztes

„Weniger unerwünschte Arzneimittelwirkungen, weniger Krankenhauseinweisungen, weniger Todesfälle – in erster Linie profitiert der Patient vom AdAM-Projekt“, betont Thomas Müller, Geschäftsführer Zentralstab Unternehmensentwicklung und -steuerung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Im Versorgungsalltag sei es für den Hausarzt oft schwierig, einen Überblick über alle ärztlichen Verordnungen für seine Patienten zu haben. Mit AdAM ändere sich das: „Der Hausarzt kann die Arzneitherapie koordinieren und optimieren. So werden auch Doppelverordnungen, Wechselwirkungen oder Dosierungsfehler sichtbar, und der Arzt kann reagieren.“

Zum ärztlichen Arzneimittelmanagement gehöre in erster Linie die kontinuierliche Analyse und Priorisierung der notwendigen Therapieprinzipien und deren Optimierung unter qualitativen Gesichtspunkten. „AdAM und die dazugehörigen Beratungsangebote helfen dem Arzt auch neue Arzneimittel gezielt dort einzusetzen, wo sie individuell dem Patienten am besten nutzen. Für die Ärzte ist die Teilnahme am AdAM-Projekt wirtschaftlich attraktiv“, erläutert Müller. Von dem Geld, das die Krankenkasse weniger für Medikamente ausgibt, könne den beteiligten Ärzten ein angemessenes Honorar für ihren Mehraufwand beim Therapiemanagement gezahlt werden. Besonders wichtig seien den Projektinitiatoren die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projekts, um den AdAM-Ansatz bei erfolgreichem Projektabschluss in die Regelversorgung integrieren zu können.

Weitere Informationen:

Einen Überblick über das Projekt bietet die Barmer unter: https://www.barmer.de/gesundheitscampus/gesundheitswelten/gesellschaft/barmer-digital/projekt-adam-104626

Wer mehr wissen möchte:

Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Sind Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft gefährlich?", am 24.04.2019
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