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Arzneimitteltherapiesicherheit: Wie lassen sich Risiken vermeiden?

Heutzutage gibt es gegen die meisten Krankheiten wirksame Medikamente. Doch gerade bei älteren Menschen mit mehreren Leiden bedeutet das auch die Einnahme von vielen verschiedenen Medikamenten. Mitunter verhindert ein Wirkstoff unbemerkt den Behandlungserfolg eines anderen. Inzwischen ist das Problem in den Blick von Politik und Forschung gerückt.

Rheuma, Herzschwäche und Diabetes – im Alter kommt eine Erkrankung selten allein. Viele Senioren nehmen daher eine Vielzahl von Arzneimitteln ein. In der Medizin spricht man in diesem Zusammenhang von Polypharmazie. Damit ist gemeint, dass ein Patient täglich mehr als drei Arzneien anwenden muss. Das kann schnell nicht nur unübersichtlich, sondern sogar gefährlich werden: Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sind etwa zehn Prozent der Krankenhausaufnahmen weltweit auf Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten zurückzuführen. In Deutschland beruhen nach Daten aus dem Netzwerk der regionalen Pharmakovigilanzzentren mehr als drei Prozent der stationären Aufnahmen in internistische Abteilungen auf unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Insgesamt 0,6 Prozent der Aufnahmen sind dabei auf vermeidbare Ereignisse zurückzuführen, wie bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) zu erfahren ist.

Um diesem Problem zu begegnen, ist die Zusammenarbeit von Ärzten, Apothekern, Pflegekräften und Patienten nötig. Das hat auch die Politik erkannt: Im August 2016 hat das Bundesgesundheitsministerium bereits den vierten Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in Deutschland gestartet. Das Projekt läuft planmäßig bis 2019 und soll Informationen über Arzneimittel verbessern, Strategien zur Optimierung von Arzneimitteltherapieprozessen entwickeln und die Forschung auf diesem Gebiet stärken.

Medikation auf Unstimmigkeiten analysieren

Wer seine Medikation auf mögliche Unstimmigkeiten hin untersuchen lassen möchte, wendet sich am besten an seinen behandelnden Arzt oder seine Stammapotheke. Ein solcher Interaktions-Check kann viel Zeit in Anspruch nehmen: Die Bundesapothekerkammer empfiehlt in ihrer Leitlinie eine Medikationsanalyse, die unter anderem auf Doppelverordnungen, Wechselwirkungen, ungeeignete Einnahmezeitpunkte und Dosierintervalle, Anwendungsprobleme, mangelnde Therapietreue sowie unsachgemäße Lagerung achtet. Wichtig: Auch rezeptfrei erhältliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel sollten in die Analyse einfließen. Denn auch sie können einen Einfluss auf die Wirkung anderer Präparate haben. Zum Beispiel behindert etwa die gleichzeitige Einnahme von Calciumpräparaten die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen. Um dies zu verhindern, reicht es aus, einen zeitlichen Abstand zwischen den Einnahmen einzuhalten. Ein weiteres Beispiel: Bestimmte Schmerzmittel können den Blutdruck steigern, wirken also Blutdrucksenkern entgegen.

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