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15. September 2016

Medikationssicherheit zum Thema machen

 
„Gemeinsam Medikationsfehler vermeiden“ lautet das Motto des 2. Internationalen Tages der Patientensicherheit am 17. September 2016, der vom Aktionsbündnis Patientensicherheit ausgerichtet wird. Damit will das Bündnis für die Risiken in der Arzneimitteltherapie sensibilisieren.

Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (© pag/Fiolka)
Es ist ein zentrales Anliegen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), auf die Schwierigkeiten in der medizinischen und pflegerischen Versorgung hinzuweisen. „Wenn Ärzte und Pflegende nicht ausreichend für Arzneimittelrisiken sensibilisiert sind oder zu wenig Zeit für eine gute Patientenversorgung haben, kann das zu Fehlern bei der Medikamentenversorgung führen“, sagt Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des APS. Nicht immer seien Fehler bei der Gabe von Arzneimitteln vermeidbar, aber wenn viele Gesundheitseinrichtungen zusammenarbeiten, könne das Risiko dafür zumindest deutlich reduziert werden. Doch nur die Aufmerksamkeit der Gesundheitseinrichtungen zu wecken, reicht nach Ansicht der APS-Experten nicht aus: „Wichtig ist es für uns auch, die Patienten selbst zu erreichen, um sie über wirksame Maßnahmen zu Verbesserung der Medikationssicherheit zu informieren“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Siebert, stellvertretender Vorsitzender des Bündnisses.

Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) – was ist das eigentlich?
Das APS ist ein 2005 gegründeter gemeinnütziger Verein, das sich für eine sichere Gesundheitsversorgung einsetzt und sich auch der Erforschung, Entwicklung und Verbreitung dafür geeigneter Methoden widmet. Hier haben sich Vertreter der Gesundheitsberufe, ihrer Verbände und von Patientenorganisationen zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Plattform zur Verbesserung der Patientensicherheit in Deutschland aufzubauen. Zusammen entscheiden und initiieren sie Projekte und Initiativen des Vereins.


Viele Klinikaufnahmen durch unerwünschte Arzneimittelereignisse

(© fotolia / Henrik Dolle)
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass bis zu zehn Prozent aller Krankenhausaufnahmen auf unerwünschte Arzneimittelereignisse zurückzuführen sind. Ein großer Teil davon ist durch Medikationsfehler bedingt. Bei etwa zwei Prozent dieser Patienten verlaufen die sogenannten unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAWs) tödlich. Gerade bei älteren Menschen, die oft krankheitsbedingt mehrere Medikamente parallel einnehmen, treten Fehler häufiger auf, so das APS. Sie bestehen beispielsweise darin, dass die verschiedenen, gleichzeitig eingenommenen Arzneimittel eine ungünstige Wechselwirkung haben. Diese kann Nebenwirkungen auslösen und dem Patienten schaden. Hinzu kommt, dass sich der Stoffwechsel mit dem Alter verändert. Dies kann Wirkung und Verträglichkeit von Medikamenten beeinflussen. Aufgrund des demografischen Wandels wird das Problem zukünftig immer mehr Menschen angehen. „Auch das deutsche Gesundheitssystem ist davon betroffen, denn durch eine falsche Medikation können hohe Folgekosten entstehen“, gibt François-Kettner zu bedenken. Für Deutschland gibt es dem APS zufolge ebenfalls Hinweise, dass Medikationsfehler in relevantem Umfang zur Schädigung von Patienten führen, die vermeidbar wären. Erhebungen in deutschen Pflegeeinrichtungen weisen darauf hin, dass jeder Heimbewohner im Schnitt eine neue unerwünschte Arzneimittelwirkung pro Jahr erleidet, davon seien 60 Prozent vermeidbar.

Einheitlicher Medikationsplan soll Gefahren vermeiden

Seit Oktober 2016 besteht ein gesetzlicher Anspruch auf einen Medikationsplan für Menschen, die gleichzeitig drei oder mehr Arzneimittel einnehmen. Mit ihm erkennt der behandelnde Arzt oder auch der Apotheker, welche Medikamente der Patient aktuell einnimmt und kann so Wechselwirkungen und anderen arzneimittelbedingten Komplikationen aktiv vorbeugen. Zunächst gibt es den Plan allerdings noch in Papierform. Bis Mitte 2018 sollen aber alle Arztpraxen und Krankenhäuser an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sein. Spätestens dann soll der Medikationsplan auf Papier durch einen elektronischen ersetzt werden.

Weitere Informationen zum Internationalen Tag der Patientensicherheit

  • Internationaler Tag der Patientensicherheit: www.patient-safety-day.org
  • Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.: www.aps-ev.de


Wer mehr wissen möchte:

Terminhinweise

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