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7. Juni 2018

Chronische Schmerzpatienten frühzeitig identifizieren

 
Schneller besser behandeln – das ist das Ziel eines neuen Konzeptes zur Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen, das in drei Jahren die Regelversorgung bereichern soll. Die Grundlagen werden zurzeit in dem Projekt „PAIN 2020“ erarbeitet.

Prof. Hans-Raimund Casser (© pag/Fiolka)
„Wir brauchen eine gute Differenzierung der Schmerzen und eine bessere interdisziplinäre Zusammenarbeit: physiotherapeutisch, psychologisch und medizinisch“, sagt Prof. Hans-Raimund Casser, Ärztlicher Direktor des Schmerz-Zentrums Mainz und Präsidiumsmitglied der Deutschen Schmerzgesellschaft, anlässlich des „Aktionstags gegen den Schmerz“ am 5. Juni. Das auf drei Jahre angelegte Projekt „PAIN 2020“ soll Wege aufzeigen, Patienten mit einem hohen Risiko für die Entwicklung chronischer Schmerzen frühzeitig zu identifizieren und damit Chronifizierungen zu verhindern.

PAIN 2020 wird zusammen mit der Barmer GEK und über 30 Kooperationspartnern durchgeführt und mit sieben Millionen Euro vom Innovationsfonds unterstützt. Nach Angaben Cassers leidet 28 Prozent der deutschen Bevölkerung unter chronischen Schmerzen. Davon haben sieben Prozent aufgrund der Schmerzen mit Behinderungen zu kämpfen, bei knapp drei Prozent sind körperliche und psychische Probleme die Folgen.

Häufige Selbstmedikation bei Schmerzmitteln

Prof. Berend Groeneveld (© pag/Fiolka)
Nicht alle Patienten mit Schmerzen gehen nur zum Arzt. Viele behandeln sich selbst mit Schmerzmitteln aus der Apotheke, teilweise zusätzlich zu dem, was der Doktor schon verschrieben hat. 437 Millionen Euro gaben die Deutschen 2017 laut Deutschem Apothekerverband für nicht verschreibungspflichtige Medikamente aus. Spitzenreiter bei den Schmerzmitteln seien Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Diclofenac. „Diese Arzneien unterscheiden sich in ihrer Wirkung und in ihren Nebenwirkungen, denn Schmerzmittel ist nicht gleich Schmerzmittel“, sagt Berend Groeneveld, Vorstandsmitglied und Patientenbeauftragter des Deutschen Apothekerverbandes.

Auch wer Schmerzmittel durch den Arzt verordnet bekomme, nehme in der Selbstmedikation bei bestimmten Schmerzen zusätzliche Schmerzmittel ein. Auch hier könnten Doppeldosierungen oder Wechselwirkungen auftreten, warnt Groeneveld. „Wer häufig oder über einen langen Zeitraum Schmerzmittel nimmt, sollte immer mit seinem Arzt oder Apotheker sprechen und sich über Behandlungsalternativen informieren.“ Wichtig sei deswegen, dass Apotheker den Medikationsplan ergänzen dürfen.

Wohin mit opioidhaltigen Pflastern?

Prof. Christel Bienstein (© pag/Fiolka)
Auf das drängende Problem der Entsorgung von opioidhaltigen Schmerzpflastern macht Prof. Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), aufmerksam. Grund ist, dass Drogenabhängige inzwischen in den Mülltonnen von Kliniken, Heimen oder Hospizen nach weggeworfenen gebrauchten Pflastern suchen, um aus diesen die restlichen Wirkstoffe herauszukochen und dann zu injizieren.
Bundeseinheitliche gesetzliche Vorgaben, wie mit den Medikamentenresten umzugehen ist, gebe es derzeit nicht, so Bienstein. Nach einer DBfK-Online-Umfrage entsorgen knapp 70 Prozent aller Einrichtungen/Pflegedienste die Pflaster im Hausmüll, nur bei 20 Prozent existiert eine verbindliche Anweisung, was mit den Pflastern zu tun ist. „Das Bundesgesundheitsministerium muss unbedingt Vorgaben zur Entsorgung machen“, fordert Bienstein. Für Angehörige, Betroffene und Fachpersonal hat der DBfK einen zwölfseitigen Leitfaden zum Umgang mit opioidhaltigen Schmerzpflastern herausgegeben.

Weitere Informationen:

Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: BKK-Selbsthilfetag 2018 am 27.09.2018 in Düsseldorf
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Digitorial

Literaturtipps
Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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