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4. Dezember 2018

Migräne? Ohne mich!

 
Bis die Diagnose Migräne gestellt wird, dauert es oft viel zu lange. Die Folge: Leidgeplagte sind medikamentös unterversorgt. Das Patienteninformationsportal www.migräne-ohne-mich.de will über die Erkrankung informieren, Betroffenen helfen und Vorurteile aus dem Weg räumen.

Viele Migräne-Patienten gehen erst spät zum Arzt. (© Pixabay)
Heute fährt Papa die Kinder zur Schule, denn Mama muss zu Hause bleiben – an Arbeiten ist für sie nicht zu denken. Der Grund: Migräne. Extreme Kopfschmerzen, oftmals gepaart mit Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit, halten acht Millionen Bundesbürger regelmäßig von alltäglichen Dingen ab – davon sind 75 Prozent Frauen. Die Angst davor ist groß – man muss ja schließlich funktionieren. Das Problem: Bis die Diagnose steht, vergehen oft Jahre der Selbstmedikation, die die Beschwerden nicht lindert.

Viele Betroffene gehen nicht zum Arzt

Mit dem Portal www.migräne-ohne-mich.de will der Arzneimittelhersteller und Schmerzspezialist Grünenthal Betroffene informieren. Nach wie vor sei Migräne als Krankheit zu wenig akzeptiert - mit der Diagnose melde sich kaum jemand krank. Nach einer Umfrage des Unternehmens unter 502 Migränepatientinnen habe ein Drittel der Befragten fast jeden Monat eine oder mehrere Migräne-Attacken. Dabei trete sehr häufig Übelkeit auf, knapp die Hälfte müsse sich gelegentlich bis sehr häufig übergeben. Die Patienten erleben in dieser Zeit Haushalt und Beruf als extrem belastend. Was ebenfalls deutlich wird: Viele der Befragten gehen nicht zum Arzt, sondern behandeln sich selbst mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln wie ASS, Ibuprofen oder Paracetamol – oft jahrelang, ohne ärztliche Empfehlung und teilweise ohne großen Erfolg. Dagegen sind diejenigen, die rezeptpflichtige Medikamente nach Absprache mit dem Arzt einnehmen, öfter zufrieden mit dem Therapieergebnis.

Suche einer geeigneten Migräne-Therapie

Das Portal will dazu anregen, das Gespräch mit dem Arzt zu suchen. Das Herzstück der Seite ist eine Übersicht möglicher Fragen und Themen, die den Patienten gemeinsam mit seinem Arzt bei der Suche nach der geeigneten Migräne-Therapie unterstützen sollen. Die für Mobilgeräte optimierte Webseite inklusive Screenshot-Option ermöglicht es, die Fragen über das Smartphone jederzeit zur Hand zu haben. Zukünftig wird die Webseite außerdem eine Plattform zum aktiven Erfahrungsaustausch zwischen Patienten beinhalten.

Individuelles Krankheitsbild

Manche Betroffene landen erst nach einer langen Odyssee durch das Gesundheitswesen beim richtigen Spezialisten. Denn nicht immer ist gleich jedem Arzt klar, dass es sich bei den Beschwerden um Migräne handelt, zu individuell ist das Krankheitsbild. Dr. Rolf Malessa, Chefarzt an der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie am Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar, behandelt über 300 Migränepatienten pro Jahr weiß, was zu beobachten ist: Treten die Attacken episodisch auf und dauern drei Stunden bis drei Tage? Kommen begleitend Übelkeit oder Erbrechen, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit hinzu? Wenn ja, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Migräne.

Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane

Dass sich viele Betroffene erst spät in ärztliche Behandlung begeben, findet Malessa fatal. Der Neurologie-Facharzt rät jedem Kopfschmerz-Geplagten grundsätzlich, einen Arzt aufzusuchen. Dieser finde häufig schnell heraus, um welche Art von Kopfschmerz es sich handele und welche Therapie die richtige sei. Die Patienten bräuchten in der Attacke ein möglichst verträgliches und schnell wirkendes Medikament, das sie frühzeitig einnehmen sollten. Als besonders wirksam haben sich aus seiner Sicht Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane erwiesen, die es in Tablettenform, als Schmelztablette, Injektion oder als Nasenspray gibt. Trete frühzeitig Erbrechen auf, böten sich Injektionen oder Nasensprays an, bei denen eine Schmerzlinderung bereits innerhalb von zehn bis 15 Minuten möglich sei. Der Vorteil der Schmelztabletten: Für die Einnahme wird nichts zum Trinken benötigt.

Mögliche Trigger: Stress, Schlafmangel, Alkohol

Bei der Migräne spiele oft eine genetische Disposition eine Rolle. Auch bestimmte Lebensumstände wie Stress, Schlafmangel, unregelmäßiges Essen, zu wenig Flüssigkeitsaufnahme oder der Genuss von Alkohol könne sie auslösen, erklärt Malessa. Die Identifikation dieser Trigger sei wichtig, um zu vermeiden, dass die Migräne nicht zusätzlich hervorgelockt wird. Typisch für die Migräne könnten weitere Anzeichen wie Blässe, Gereiztheit, Konzentrationsschwierigkeiten oder auch leichter Schwindel sein.

Nicht immer können Betroffene unterscheiden, ob ihre Kopfschmerzen einem üblichen Spannungskopfschmerz oder etwa einer Migräne entsprechen. Die Unterscheidung ist aber wichtig für die richtige Medikation. Erste Anhaltspunkte gibt ein einfacher Test: Bei einer Migräne wird der Kopfschmerz häufig schlimmer, wenn der Betroffene in der Attacke den Kopf schüttelt oder ihn länger nach unten hält (z.B. Schuhe zumachen). Bei einem Spannungskopfschmerz ist dies in der Regel nicht der Fall.
Terminhinweise

Permanent aktualisierte Ankündigungen von Veranstaltungen, die für Patienten relevant sind.

zum Beispiel: "Gesundheit und Krankheit im transkulturellen Kontext", am 18.12.2018 in Köln
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Digitorial

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Cover Das ist Krebs

"Das ist Krebs. Ein Buch für Kinder über die Krankheit Krebs" von Esther Tulodetzki
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