Drucken

Münster: Eine Stadt wird schmerzfrei

Wie kann gewährleistet werden, dass Schmerzpatienten, die aus der Klinik kommen, optimal weiter versorgt werden? Welchen Vorteil haben die Betroffenen von einer vernetzten Schmerztherapie? In einem fünfjährigen Forschungsprojekt hat das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster versucht, diese Fragen zu beantworten.

Sensibel für Schmerzpatienten: Pflegefachkräfte wurden im Rahmen des Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster zu Pain Nurses ausgebildet.Die Initiatoren hatten sich zum Ziel gesetzt, die komplexen Zusammenhänge in der Versorgung von Schmerzpatienten innerhalb eines städtischen Gesundheitssystems zu analysieren. Von 2010 bis 2015 untersuchte das Team um Prof. Jürgen Osterbrink von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg das Schmerzmanagement von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeeinrichtungen, Schmerzpraxen und Hospizen in der Stadt. Über Befragungen wurden zudem Haus- und Fachärzte sowie Apotheker in das Projekt eingebunden. Es sollten insbesondere Wissens- und Versorgungslücken an den Schnittstellen der verschiedenen Einrichtungen erkannt und geschlossen werden. Unterstützt haben das Projekt die Stadt Münster und der Arzneimittel-Hersteller Mundi Pharma. Die Schmerzversorgung sei ein hochaktuelles Thema, das aufgrund des demographischen Wandels noch mehr an Bedeutung gewinnen werden, sagt Mundi-Geschäftsführer Dietmar Leitner. Wichtig sei, ein Verständnis für die Funktionsweise und Leistungen innovativer Strukturen im Versorgungssystem zu erlangen.

Schmerzbehandlung: Verbesserungen auf vielen Ebenen

Das Ergebnis nach fünf Jahren Arbeit: Auf vielen Ebenen konnte Entscheidendes verbessert werden, teilen die Initiatoren mit:

  • Alle Krankenhäuser der Stadt haben das Zertifikat „Qualifizierte Schmerztherapie“ erlangt.
  • Die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegenden hat sich flächendeckend verbessert.
  • 13 Altenheime haben ein systematisches Schmerzmanagement eingeführt.
  • Schmerzen bei Menschen mit Demenz werden erkannt und können richtig behandelt werden.
  • Über 100 Pflegekräfte wurden zu „Pain Nurses“ weitergebildet.
  • Für Hausärzte gibt es spezielle Fortbildungsangebote.

Das Engagement aller am Projekt beteiligten Experten wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO belohnt: Sie zeichnete das Aktionsbündnis 2015 als „Best Practice“-Modell aus – eine Ehre, die bisher in Europa nur sechs Projekten zuteilwurde. Osterbrink hofft, dass die Erfahrungen aus Münster Eingang in das Schmerzmanagement anderer Regionen finden.

Wer mehr wissen möchte: