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„Was man nicht kennt, fürchtet man“

Mit 21 Jahren bekam Sascha Feldmann die Diagnose Schuppenflechte – auch Psoriasis genannt. Betroffene leiden unter starker Schuppenbildung auf der Haut, Juckreiz und Schmerzen. Im Interview spricht er über Therapieoptionen und seinen Umgang mit der Krankheit.

Sascha Feldmann.
Seit wann haben Sie die Erkrankung?

Ich bin jetzt 32 Jahre alt und lebe mit der Krankheit seit gut elf Jahren. Ich hatte zuvor nie etwas von Psoriasis gehört. Bei vielen Betroffenen kommt es vor, dass bereits Familienmitglieder betroffen sind und man es vererbt bekommt. Mein Vater hat zwar 14 Geschwister, aber niemand hatte auch nur ein Anzeichen der Krankheit.

Was waren die ersten Anzeichen?

Es fing leicht am Haaransatz an. Ich wusste nicht, was das ist und reagierte erst einmal ruhig. Ich benutzte Pflegesalben und nach einiger Zeit ging es auch tatsächlich zurück. Doch auf einmal bekam ich Probleme mit den Gelenken, erst ein Ziehen in der Wade und später waren die Knie betroffen. Ich konnte kaum arbeiten, da mir das Aufstehen so schwerfiel. Meine Freundin musste mich morgens anziehen. Selbst die Zahnpastatube konnte ich nicht öffnen.

Wie ging es weiter?

Bekanntlich geht man ja immer erst zum Arzt, wenn es richtig schlimm ist. Das war dann der Zeitpunkt bei mir. Am Ellenbogen bekam ich dazu auch kleine rote Pünktchen. Mein Arzt stellte dann die Diagnose Psoriasis Arthritis, eine Sonderform der Schuppenflechte. Mit Anfang 20 nicht wirklich toll.

Wie bewerten Sie die Versorgungssituation für Betroffene?

Die Krankheit steht nicht in dem Maße im Mittelpunkt wie andere. Mittlerweile sind aber mehr Ärzte darauf spezialisiert. Es gibt natürlich noch immer viele Mediziner, die die Patienten nicht richtig behandeln. Daher sollte man sich immer gründlich über den behandelnden Arzt informieren. Mehr Aufklärung von den Krankenkassen wäre auch eine gute Lösung.



Welche Therapieoptionen gibt es?

Man kann und sollte von innen und außen behandeln. Wir können die Symptome außen mit Cremes, Lichttherapie oder Bädern lindern. Jeder muss für sich durchtesten, was für ihn am besten funktioniert. Bei vielen Betroffenen bewirkt Sonne wahre Wunder. Daher werden auch Reisen an das Schwarze Meer angeboten, wo man sich gut erholen kann. Die innere Therapie muss sehr gut mit dem Arzt abgestimmt werden und wird meistens mit Tabletten oder Spritzen durchgeführt. Die Vielzahl an Möglichkeiten macht es nicht gerade einfach.

Bekommt jeder das Medikament, das für ihn am geeignetsten ist?

Die Krankheit Psoriasis ist sehr vielfältig. Es gibt leider nicht dieses eine Medikament, was jedem hilft. Daher ist es nicht immer leicht, gleich am Anfang das passende Arzneimittel zu finden. Gerade bei der ersten Diagnose gibt es natürlich Mittel, die sich häufiger als passend herausstellen als andere. Diese werden dann auch zumeist als erstes getestet. Bis man dann das richtige Medikament gefunden hat, kann es allerdings schon etwas dauern. Man muss sich auch bewusst sein, dass es noch keine Heilung gibt, sondern nur eine Linderung der Beschwerden. Neuartige Medikamente wie Biologika helfen da sehr.

Wie schätzt du deren Rolle bei der Behandlung der Krankheit ein?

Biologika sind sehr wichtig im Kampf gegen Psoriasis. Momentan ist die Situation noch so, dass diese Medikamente sehr teuer in der Produktion sind. Daher müssen Betroffene erst die herkömmlichen Therapien in Angriff nehmen. Klappt davon dann nichts, darf erst auf Biologika zurückgegriffen werden. Und das muss man einem Betroffenen erst einmal klar machen. Da gibt es etwas, was sehr gut hilft, aber man muss erst alles andere testen, weil die Herstellungskosten noch so hoch sind. Das ist gerade für die Betroffenen nicht einfach. Zumal man sich heute auch sehr viel über das Internet informiert und von den Erfolgen der Biologika hört.

Wie stark beeinflusst die Krankheit deinen Alltag?

Ich habe wirklich sehr viel Glück. Meine Erkrankung wurde sehr früh diagnostiziert. So konnten direkt die richtigen Maßnahmen getroffen werden. Meinen Gelenken geht es daher gut. Ich habe nach der Diagnose ganz normal weiter Fußball gespielt. Es dauerte ein paar Wochen, aber nachdem die Therapie angeschlagen hatte, konnte ich normal weiter machen. Heute treibe ich ganz normal Sport. Mit dem Fußball habe ich vor einem Jahr nur aus Zeitgründen aufgehört. Hin und wieder habe ich Probleme auf der Kopfhaut. Durch die vergangenen Jahre weiß ich allerdings, was mir gut hilft und habe die Krankheit sehr gut unter Kontrolle. Das kann leider nicht jeder sagen.

Wie kann es sein, dass Betroffene aufgrund ihrer Erkrankung aus Schwimmbädern verwiesen werden?

Das ist wirklich eines der häufigsten Probleme. Und ich verstehe auch die Gäste. Wenn jemand schwer betroffen ist, sieht es nicht schön aus. Und die Menschen um den Betroffenen bekommen natürlich Angst. Ist das ansteckend? Was ist das? Das kann man ihnen nicht verübeln.

Was kann man dagegen tun?

Hier muss für Aufklärung gesorgt werden, beim Arzt oder über die Krankenkassen. Im Idealfall fragt ein Gast den Betroffenen, was los ist. Das ist aber meiner Meinung nach selten der Fall. Für den Betroffenen ist die Ablehnung natürlich ein harter Schlag. Daher haben viele auch mit der Psyche zu kämpfen. Psoriasis ist nicht tödlich. Psoriasis kann aber ein Leben nicht lebenswert machen.

Gibt es einen weiteren Punkt, der dir am Herzen liegt?

Es wäre toll, wenn man immer weiter über die Krankheit aufklären kann. Wenn ein Psoriasis-Patient in kurzer Hose über die Straße geht und von anderen gesehen wird, sollen diese sich nicht fürchten, sondern wissen, dass er Psoriasis hat. Man kann es den Menschen nicht übelnehmen. Was man nicht kennt, fürchtet man.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ein weiteres Interview eines Betroffenen zum Thema Schuppenflechte finden Sie hier.