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Der Kampf gegen die Todesursache Nummer eins

Ein Think-Tank will das Bewusstsein für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in allen Lebenswelten stärken. Experten diskutieren bei der Auftaktveranstaltung der krankheitsübergreifenden Initiative über ein Whitepaper mit Handlungsempfehlungen.

Herz-Kreislauferkrankungen verursachen etwa 40 Prozent aller Sterbefälle in Deutschland.Es ist ein „Kampf gegen die Windmühlenflügel“, sagt Dr. Mark Dankhoff von der DAK-Gesundheit über die Vermeidung von Erkrankungen, die das Herz und den Kreislauf betreffen. Dabei könne man mit einfachen Mitteln etwas tun. Schlaganfall, Myokardinfarkt oder die periphere arterielle Verschlusskrankheit würden nie aus sich selbst heraus entstehen, wie er im Whitepaper schreibt. Sie können die Folge eines Zusammenspiels von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen, Nikotin, Adipositas, Bewegungsmangel, Stress, Erbanlagen oder hormoneller Dysregulation sein.

Öffentliche Wahrnehmung ist gering

„Herz-Kreislauferkrankungen sind die weltweite Todesursache Nummer eins und verursachen etwa 40 Prozent aller Sterbefälle in Deutschland“, sagt Udo Schauder von Sanofi, Mitinitiator des Think Tanks. Demgegenüber sei die öffentliche Wahrnehmung dieser Erkrankungen nach wie vor gering. Gute Vorsorge- und Behandlungslösungen würden erfordern, dass die zugrundeliegenden Risikofaktoren von Herz-Kreislauferkrankungen ganzheitlich betrachtet werden, erklärt Prof. Herbert Rebscher vom Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung. Künftige Versorgungsstrukturen müssten sich an den veränderten Lebens- und Arbeitsrealitäten der Menschen ausrichten. Zudem komme der persönlichen Gesundheitskompetenz jedes Einzelnen eine hohe Bedeutung zu.

Patienten mit ins Boot holen

Prof. Elisabeth Steinhagen-Thiessen von der Charité-Universitätsmedizin Berlin fordert im Whitepaper, diese Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen. „Wir sollten alle Anstrengungen unternehmen, um dieses große Ziel zu erreichen“, schreibt sie. „Und wo kann man die Menschen erreichen? In Kita und Schule, im Betrieb und in den Familien, auf der Straße,“ sagt die Medizinerin auf der Auftaktveranstaltung. Michael Wirtz von der Adipositashilfe Deutschland konkretisiert diese Gedanken: Es müsse die Gesundheitskompetenz jedes Einzelnen gezielt gestärkt werden. Er fordert: „Wir müssen Erklärvideos machen und Patienten mit ins Boot holen.“ Ein aufgeklärter Patient sei in der Lage, mit einem gesunden Lebensstil vielen Erkrankungen vorzubeugen, Präventionsmaßnahmen sollten aber bereits in jungen Jahren ergriffen werden. In Schulen könnte dies zum Beispiel durch unterrichtsbegleitende Gesundheitsthemen geschehen. Der Einsatz digitaler Medien sei hierfür geradezu prädestiniert.
Dr. Andrea Lambeck vom Berufsverband Oecotrophologie erklärt, dass die Gesundheitsförderung in den Betrieben ein „sehr erfolgreicher Zugangsweg“ sein kann: Dort sei es möglich, auch Menschen zu adressieren, die etwa Vorsorgeuntersuchungen eher weniger nutzen. Generell spricht sie vom „Bewusstsein für den Schatz der Prävention“, das vorangebracht werden müsse.