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Eine Behandlung aus einem Guss

Leidet ein Mensch an Diabetes, Brustkrebs, einer koronaren Herzkrankheit, Asthma oder der Lungenkrankheit COPD, kann sie oder er ein strukturiertes Behandlungsprogramm in Anspruch nehmen. Im Fachjargon heißen diese Disease Management Programme (DMP).

Chronische Krankheiten sind belastend: Als Patient wünscht man sich eine kompakte Behandlung. Das können Disease Management Programme leisten – die Teilnahme ist freiwillig. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) definiert DMP wie folgt: „Disease Management Programme sind strukturierte Behandlungsprogramme, die chronisch Erkrankten dabei helfen sollen, ihre Erkrankung in den Griff zu bekommen und die Lebensqualität zu verbessern und zu erhalten. Nicht zuletzt wurden DMP mit dem Ziel eingeführt, die ärztliche Behandlung langfristig zu verbessern.“

Risikofaktoren bei Herzerkrankungen sind erhöhte Blutfettwerte, Rauchen oder Übergewicht.Das Programm fängt beim Besuch des Hausarztes an, der DMP anbieten muss. Nach Gesprächen und Untersuchungen stellt dieser eine Diagnose. Auf Grundlage von DMP-Vorgaben kann er einen Therapieplan erstellen – zugeschnitten auf den Patienten, der vor ihm sitzt. Im Therapieplan werden die Medikation, Schulungstermine, regelmäßige Kontrollen und andere Untersuchungen – eventuell auch bei anderen (Fach-)Ärzten oder in Kliniken – festgelegt. Das alles wird dokumentiert, sodass jeder an der Therapie Beteiligte weiß, was verordnet wurde, informiert das IQWiG. „Patienten, die sich für ein DMP einschreiben, erklären sich dazu bereit, aktiv an der Behandlung mitzuarbeiten – zum Beispiel, indem sie regelmäßig alle drei oder sechs Monate einen Arzt aufsuchen.

Patient, Ärzte und Therapeuten auf gleichem Stand

Alle teilnehmenden Fachleute – Ärzte, Mitarbeiter von Kliniken und Reha-Einrichtungen, Pflegekräfte oder Anbieter von Schulungen – verpflichten sich, die vorgegebenen Qualitätskriterien und Behandlungspläne einzuhalten“, konkretisiert das Institut. Im Idealfall sind also der Patient, die involvierten Ärzte und Therapeuten auf dem gleichen Stand. Der Arzt achtet darauf, dass immer eine aktuelle Liste aller eingenommenen Medikamente und Präparate zur Verfügung steht. Für Patienten ist die Teilnahme an einem DMP kostenlos, Ärzten wird der Mehraufwand von den Krankenkassen vergütet.

Beim DMP in Bezug auf Herzerkrankungen ist das Ziel die Senkung des Risikos eines Herzinfarktes sowie die Vermeidung weiterer Herzbeschwerden, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein. Risikofaktoren sind erhöhte Blutfettwerte, Rauchen oder Übergewicht, sagt die Krankenkasse mhplus. Einmal im Jahr überprüft der Arzt unabhängig von den sonstigen Untersuchungen, ob sich das Risiko für Folgeerkrankungen verändert hat. Er fragt nach Belastbarkeit, dem Erfolg körperlicher Aktivität und nach den Änderungen in den Rauchgewohnheiten. Außerdem misst er die Blutzuckerwerte, die Blutfettwerte und den Blutdruck. „Falls nötig, kommen noch weitere Behandlungen hinzu“, so die mhplus. Gefördert wird dann auch das Abgewöhnen des Rauchens sowie gesunde Ernährung und Bewegung, wie die DAK erläutert.

Maßnahmen für Herzkranke

Mittlerweile gibt es für Herzinsuffizienz ein eigenes DMP. Therapieziele sind zum Beispiel die Steigerung oder zumindest der Erhalt der Belastbarkeit, Vermeidung oder Verlangsamung einer Fortschreitung der kardialen Funktionsstörung oder die adäquate Behandlung von weiteren Krankheiten. Maßnahmen sind regelmäßige körperliche Bewegung sowie die Vermeidung oder Reduktion von Alkohol und Zigaretten, teilt der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit.

Die strukturierten Behandlungsprogramme nutzen nicht nur den Patienten. „DMP sollen somit helfen, eine bedarfsgerechte und wirtschaftliche Versorgung sicherzustellen und bestehende Versorgungsmängel wie Über-, Unter- und Fehlversorgung in unserem Gesundheitssystem abzubauen. Angestrebt wird insoweit auch eine Reduzierung der Gesamtbehandlungskosten durch Vermeidung von Komplikationen, Krankenhausaufenthalten und Folgeschäden“, teilt das Bundesversicherungsamt (BVA) mit. Die Behörde ist die Zulassungsstelle für DMP.